Sonntag, 19. Januar 2014

Bessere Haltungsbedingungen für Pferde

Die Arbeit der Pferdeethologin Margit Zeitler-Feicht


Ich beginne mit dem Link zu einem Video über sie:


Wer gern Bücher liest, hat hier einen Link, wo man eins von Margit Zeitler-Feicht bei Amazon bestellen kann. Es sind ausschließlich gute Rezensionen dabei. Die Leser waren durchweg begeistert davon.


Hier ein Link mit ein wenig Text und Beschreibung .. ich kann das übrigens aus der Zeit, als ich unsere drei Pferde Nixe, Reno und Chiwa noch direkt am Haus im Offenstall gehalten habe, vollkommen bestätigen, dass die drei überwiegend Gras knabbernd auch bei Regen, Wind und sonstigen Bedingungen ohne Pferdedecke drauf auf der Wiese rum gelaufen sind, nur sehr selten im Stall waren und wenn, dann meistens im Hochsommer bei Hitze oder aber, weil sie ihre Stroheinstreu auch aufgefressen haben, wenn im Winter nicht mehr viel Gras auf der Winterweide war.


Daraus ein paar Textstellen .. den Rest bitte im Link nachlesen, kopiere nur einen Teil, weil Links doch oft nach einer Weile nicht mehr vorhanden sind, und das wäre in diesem Fall schade.

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Dr. Margit H. Zeitler-Feicht definiert Bewegungsbedarf wie folgt:
Unter Bewegungsbedarf versteht man die Bewegungsmenge, die erforderlich ist, um ein Pferd gesund bzw. seine Physiologie und Morphologie (z.B. Durchblutung) funktionstüchtig zu erhalten. Der Bewegungsbedarf resultiert aus der Evolution des Pferdes zum Lauf- und Fluchttier. Auf diese Art der Fortbewegung sind der Bewegungsapparat, das Herz-Kreislaufsystem, kurz alle Organsysteme seit Millionen von Jahren angepasst.
Auch heute noch ist das mehrstündige langsame Vorwärtsgehen im Schritt eine wesentliche Vorausssetzung dafür, dass ein Pferd auf Dauer physisch und psychisch gesund bleibt. [1]
Leider gibt es nur wenig ethologische Pferde-Fachliteratur bzw. Verhaltensforschung rund ums Pferd. Dr. Marthe Kiley-Worthington gehört zu den ersten anerkannten Ethologen, die sich dafür einsetzen, Tieren insgesamt eine wesensgerechte Umgebung zu schaffen. Bereits 1989 ist ihr Buch: Pferdepsyche - Pferdeverhalten (siehe rechts) erschienen.
Vor mehr als 20 Jahren schrieb Frau Kiley-Worthington:
[...] Es ist bereits gezeigt worden, daß Pferde vorrangig daran angepaßt sind, sich als leistungsfähige Spezies schnell zu bewegen und große Gebiete zu durchstreifen. Welche Auswirkungen hat es, wenn man ihre Bewegungsfreiheit einschränkt, so daß sie sich nur für kurze Zeit pro Tag richtig bewegen können? [...] Verhaltensprobleme irgendwelcher Art - Stereotypen, vermehrte Aggression, schlechtes Benehmen und eventuell fehlende Kooperationsbereitschaft. Ich habe beim Distanz- und Rennreiten gelernt, daß es unbedingt notwendig ist, daß die Pferde sich, wann immer sie wollen, frei bewegen können.[2]"

und das hier auch:

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Damit wird die Schlussfolgerung von Frau Dr. Zeitler-Feicht verständlich [1]:
Unter natürlichen Lebensbedingungen bewegen sich Pferde täglich etwa 16 Stunden im Schritt vorwärts. Schnelle Gangarten sind demgegenüber selten.
Auch heute noch ist das mehrstündige langsame Vorwärtsgehen im Schritt eine wesentliche Vorausssetzung dafür, dass ein Pferd auf Dauer physisch und psychisch gesund bleibt. [1]
Unter Beachtung der oben zitierten Gedanken wird deutlich, warum wir in den letzten Jahren immer mehr Hufrehen, Pferde mit dem Metabolischem Syndrom und weitere Wohlstandserkrankungen finden. Auch die Ursache der Atemwegsprobleme und vor allem die vielen Lahmheiten werden "leider erklärbar"."

Und das auch noch:

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1.2.3 Bewegungsbedürfnis
Die von Wildequiden täglich zurückgelegten Strecken richten sich in erster Linie nach den ökologischen Gegebenheiten des von ihnen bewohnten Terrains. Die Häufigkeit der vorhandenen Wasserquellen spielt vor allem in Trockengebieten eine maßgebliche Rolle, da fast alle Einhufer mindestens jeden zweiten Tag saufen müssen.

Die Größe des täglichen Aktionsraumes
halbwilder New Forest-Ponys liegt zwischen 7 und 10 Quadratkilometern,
Camarquepferde sollen täglich ca. 6,
Haflinger in Gruppenhaltung etwa 3 Kilometer zurücklegen.

Nun sind weder New Forest-Ponys noch Camarquepferde und noch weniger Haflinger ausgesprochene Laufpferde. Über solch bewegungsfreudige Rassen wie etwa die Achal-Tekkiner, Araber, Angloaraber und Englische Vollblüter oder auch über leichte, hoch im Blut stehende Warmblüter (Trakehner u.ä.) sind bisher keine entsprechenden Untersuchungen angestellt worden [...]. Es bleibt nur die Vermutung, daß solche Pferde analog zu den sehr laufaktiven asiatischen Halbeseln täglich wesentlich größere Gebiete durchstreifen würden.[3]
Quellennachweis: (siehe auch Buchempfehlung rechts)
[1] Dr. Margit H. Zeitler-Feicht * Handbuch Pferdeverhalten: Ursache, Therapie und Porphylaxe von Problemverhalten
[2] Dr. Marthe Kiley-Worthington * Pferdepsyche - Pferdeverhalten / 1. Auflage 1989
[3] Dr. Heinrich Prikelmann (Herausgeber) * Pferdehaltung: Verhalten, Arbeitswirtschaft, Ställe, Fütterung und Krankheiten 2. Auflage 1991"
......
Eine sehr schöne pdf, die auch aufzeigt, worauf man bei der Gruppenhaltung von Pferden achten muss, damit keine Unfälle passieren und so weiter:


Das ist etwas, was ich auch bestätigen kann. Rangniedere Pferde müssen die Möglichkeit haben auszuweichen ... ein Offenstall muss groß genug sein und Fluchtmöglichkeiten bieten .. und wie wir zur Zeit an Chiwa erleben, kranken Pferden muss man manchmal Schutz vor gesunden anbieten, ohne sie ganz zu isolieren, denn gesunde Pferde lassen ein krankes Pferd leider nicht immer einfach in Ruhe, unsere Prima tut das zum Beispiel nicht, sondern will mit ihrer Freundin spielen, die es zur Zeit aus Krankheitsgründen doch nicht so kann, wie die Große es erwartet.


Hier oben ein paar Worte über einen guten Pensionsstall:

Freiheit und Vertrauen

So beurteilen Verhaltensforscherin Dr. Margit Zeitler-Feicht (TU München), Fütterungs-Professor Manfred Coenen (Uni Leipzig) und Pferdetherapeut Stefan Stammer aus Roggwil/Schweiz die Haltungsform von Les Dannes. 


Dr. Margit Zeitler-Feicht

Naturnahe Haltung ist hier in Les Dannes bestens realisiert: lange Fresszeiten, Ruhen unter schützenden Bäumen, Freundschaften, Spielen, Wälzen. Die gemischaltrige Herde hat große Vorteile für die soziale Entwicklung der Jungtiere und kann auf alte Pferde verjüngend wirken. Die Pferde sind trotz großer Freiheit sehr vertraut mit dem Menschen. Besonders bemerkenswert ist, dass man hier auch Pferde unter Freilandbedingungen hält, die im Leistungssport gehen. Davon können die allermeisten Turnierpferde nur träumen.


Prof. Manfred Coenen

Kann man Sportpferde so aufziehen? Nein, wenn ein Dreijähriger schon wie ein Sechsjähriger aussehen muss. Ja, wenn man die nötige Geduld hat. Einige Stuten bekommen auf der Weide nicht genug Energie und sind dünn. „Na und? Sind Stute und Fohlen etwa krank?“, fragt Kurt Fuchs. Er lässt zu, dass laktierende Stuten unterschiedlich aussehen. Er verlangt aber auch von Pferden, dass sie ihre Futteraufnahme auf der Weide organisieren: erst mehr fressen, dann gibt es Konzentrat. Das ist lehrreich.


Stefan Stammer

365 Tage im Jahr und 24 Stunden täglich Bewegung in natürlichem Gelände mit Steigungen, ebenen Flächen, Unebenen und unterschiedlichen Bodenverhältnissen: Das ist optimal für die Bewegungsstruktur eines Pferds. Es schult Reaktionen und Reflexe eigenständig im individuellen Rhythmus. Das sind Anforderungen aus der modernen Sportphysiotherapie. Die Lust, Leistung zu bringen, und die körperlichen Voraussetzungen dafür entwickeln sich wie von selbst.

Der Preis dieses Stalls, von dem ich vermute, der ist mit Reithalle und allen Extras, ist übrigens vergleichsweise günstig.

Ist nicht hier in der Nähe, sondern weit weg.


Da habe ich auch noch ein paar vernünftige Worte gefunden, die das bestätigen, was ich selbst in über 20 Jahren Erfahrung mit eigenen Pferden und Offenstallhaltung gelernt habe:

Leider in vielen Pensionsställen nicht immer ohne weiteres umzusetzen, wenn man nicht mehr die Möglichkeithat, Pferde in Eigenregie selbst so zu halten, wie es sein sollte.

Ich kopiere mal, was sie schreibt und ich für wichtig halte, auch daraus hierher:

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20.06.2011

„Gruppenhaltung erfordert ständige Fortbildung“

Der Betrieb eines Offenlaufstalls ist aufwendig und anspruchsvoll. „Oberstes Gebot bei Gruppenhaltungen ist, dass der Betreiber sich mit Pferden und ihrem Verhalten sehr gut auskennt und die nötige Erfahrung hat, problematische Situationen schon im Vorfeld einzuschätzen. Das erfordert auch ständige Fortbildung!“, schreibt Dr. Margit H. Zeitler-Feicht in der kommenden Ausgabe von BAYERNS PFERDE.
 
Die Verhaltensforscherin von der TU München betont: „Denn, so gut wie diese Haltungsform vom Grundansatz her auch ist, so tierschutzrelevant kann es für das Einzeltier sein, wenn fachliche Fehler gemacht werden. Ohne fachgerechtes Management, ohne ausreichend Fläche sowie bei Konzeptionsfehlern sind heftige soziale Auseinandersetzungen vorprogrammiert.
 
Mögliche Folgen können Verletzungen und Benachteiligungen von rangniedrigen Tieren insbesondere im Fütterungs- und Liegebereich sein.“ Zeitler-Feicht plädiert jedoch grundsätzlich für die Haltung im Offenlaufstall: „Gruppenhaltung im Mehrraum-Außenlaufstall mit Auslauf (Offenlaufstall mit getrennten Funktionsbereichen) und in der Freilandhaltung auf der Weide ist zweifellos die tiergerechteste Haltungsform.“ Doch auch die Einzelhaltung in der Box kann „artemäß gestaltet werden“.
Ganz entscheidend sei hier, so Zeitler-Feicht, der tägliche Koppelgang im Sozialverbund. „Eine Einzelhaltung ist nur dann weitgehend tiergerecht, wenn die Pferde täglich – Sommer wie Winter – gemeinsam, mindestens aber zu zweit, mehrstündig Auslauf haben. Auch bei der Einzelhaltung gilt die Prämisse, dass nur gut miteinander verträgliche Pferde zu Gruppen zusammengefasst werden dürfen.“"
 
Wenn Ihr noch mehr von der Frau wissen möchtet, das Internet ist voll davon, googeln lohnt sich bei Interesse.
 
LG
Renate
 

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