Ein paar Infos, weil ich diese Krankheit im Beitrag davor als Beispiel nannte.
Ich habe Euch ja eben in sehr kurzer Form zu schildern versucht, was ich mit einer jungen Frau im Laufe von ca. zwei Jahren, in denen sie mir sehr häufig bei Jappy geschrieben hat, in etwa erlebt habe. Da sie laut Untersuchung am Asperger Syndrom leidet, möchte ich Euch nochmal ein paar Infos darüber suchen.
Und daraus etwas, worin ich die junge Frau so denke ich wiedererkenne.
Empathie bei Asperger-Autisten und Psychopathen
Psychisch gestörte Menschen weisen oft nur Verhaltensweisen auf, zu
welchen prinzipiell jeder Mensch fähig ist - nur mit dem Unterschied,
dass psychisch gesunde Menschen dieses Verhalten willentlich steuern
können und nur in bestimmten Fällen gezielt einsetzen. So kennt
wahrscheinlich jeder Mensch überfordernde Situationen, in denen er seine
Gefühle schlicht abschaltet, nicht mehr an sich heranlässt, und auch
nicht mehr wissen will, was jemand anderes fühlt. Bei Menschen mit
Asperger-Syndrom, aber auch Psychopathen, tritt dies allerdings ständig
und unbewusst auf, was die Beziehung zu ihren Mitmenschen i.d.R. negativ
beeinflusst. Jedoch entwickelt jedes Individuum im Laufe seines Lebens
seine eigenen Strategien, um Beziehungen dennoch zu gestalten -
zumindest in dem Rahmen, den die zugrundeliegende Störung zulässt. Da
bei Asperger-Autisten die zwischenmenschliche Kommunikation gestört ist,
können sie daraus nicht die Freude ziehen wie "normale" Menschen und
wenden sich zwangsläufig anderen Quellen zu, die ihrem Leben Erfüllung
geben. Dazu gehören materielle oder ideelle Gegenstände, jedoch z.B.
nicht das Ausüben von Macht und Kontrolle über Andere, wie es für
Psychopathen charakteristisch ist.
......
http://www.aspergersyndrom.info/
Daraus mal:
Ursachen des Asperger Syndroms
Die Ursachen der Entwicklungsstörung sind noch nicht vollständig geklärt. Vermutet wird eine genetische Variante, da das
Asperger Syndrom
familiär gehäuft auftritt. Desweiteren werden neurologische und
biochemische Ursachen angenommen. Auffälligkeiten gibt es besonders in
den Hirnarealen, die für die Empathiefähigkeit wichtig sind. So zeigen
vom Asperger Syndrom Betroffene kaum eigene Emotionen, können sich nicht
in die Gedankenwelt anderer Menschen hineinversetzen und auch nicht an
deren Mimik die jeweilige Gefühlslage ablesen. Zudem sind sie äußerst
detailorientiert, haben aber Schwierigkeiten, Zusammenhänge zu erkennen
und die Details als ein Ganzes zu sehen und zu verstehen. Die Symptome
sind bei den Betroffenen unterschiedlich stark ausgeprägt. Während
manche ein fast normales Leben führen, sind andere auf ständige Hilfe
angewiesen, da sie sich in ihrem Umfeld kaum zurechtfinden. Durch die
mangelnde Empathiefähigkeit sind Betroffene oftmals nur schwer oder
eingeschränkt beziehungsfähig. Bereits im Kindesalter fällt es den vom
Asperger Syndrom Betroffenen schwer, sich zu integrieren; sie wirken
egozentrisch, verhaltensauffällig, introvertiert, distanziert,
rücksichtslos und sozial isoliert. Dazu kommt eine motorische
Schwerfälligkeit, Emotionslosigkeit und das zum Teil starre Festhalten
an gewohnten Tagesabläufen.
http://www.spiegel.de/gesundheit/psychologie/autismus-menschen-mit-asperger-syndrom-berichten-ueber-ihren-alltag-a-877992.html
Da sprechen Menschen mit Asperger Syndrom über sich selbst. Ich kopiere nur Teile davon, das hier finde ich z. B. zutreffend:
...
Eigentlich fallen wir nicht so sehr auf wie andere, stärker
betroffene Autisten. Nur gelegentlich verraten wir uns durch eine oft
sehr formelle Sprachweise, einen ungewöhnlichen Gang oder einen
ungewöhnlichen Humor. Doch trotz meiner Mühen, möglichst nicht
aufzufallen, gelte ich überall an der Uni als sonderbar.
Asperger-Autisten sind meistens extrem egozentrisch und stur. Es kostet
viel Kraft, nicht so zu sein, und ich kann es nicht immer abschalten.
Dabei habe ich ebenso wie andere Menschen viele Gefühle, auch wenn
man mir das nicht ansieht. Ich mag vielleicht anders fühlen. Aber
Mitleid zum Beispiel kann ich durchaus empfinden, auch wenn sich der
Mythos hält, dass Autisten das nicht könnten. Ich empfinde aber nur
Mitleid gegenüber Leuten, die ich kenne."
...
Die nächste Schilderung übernehme ich mal ganz:
...
"Ohne feste Strukturen kann ich meinen Alltag kaum bewältigen"
Christine Preißmann, 42, Asperger-Autistin, promovierte Ärztin für Allgemeinmedizin und Psychotherapie
"Die Diagnose Asperger-Syndrom erhielt ich erst mit 27 Jahren. Das
ist nicht ungewöhnlich, häufig wird Asperger-Autismus erst im
Erwachsenenalter festgestellt. Für mich war die Diagnose eine große
Erleichterung, denn erstmals konnte ich Antworten auf viele Fragen in
meinem Leben finden. Auch der Kontakt mit meinem Umfeld wurde einfacher,
da sich nun viele Verhaltensweisen von mir erklären ließen. Mein sehr
penibles Beharren auf vereinbarte Uhrzeiten etwa. Zuvor legten andere
Menschen es oft als bewusste Provokation aus
, wenn ich sie nach
nur ein paar Minuten Verspätung kritisierte. Dabei war es kein böser
Wille, der mich so handeln ließ, sondern vielmehr das starke Bedürfnis
nach Struktur, Routine und Ritualen.
Inzwischen richte ich mein Leben so ein, dass es nicht nur
erträglich, sondern erfüllt ist. Das war nicht immer so. Seit der
Asperger-Diagnose weiß ich aber um meine Auffälligkeiten. Partys und
Disco-Besuche etwa bedeuten nur Stress und überfordern mich völlig. Und
ohne feste Strukturen könnte ich auch heute meinen Alltag kaum
bewältigen.
Ich habe gelernt, meine Stärken bei der Arbeit gezielt zu nutzen: Mir
fällt es leicht, an der Arbeit zu bleiben, ohne dass ich dauernd Pausen
mit Kollegen einlegen muss. Ein Nebeneinander mehrerer Tätigkeiten
verwirrt mich. Ich kann mehr leisten, wenn ich Aufgaben strukturiert und
nacheinander erledige.
Romane und Filme: Zu viele Personen, zu verwirrend
Ebenso bin ich sehr aufmerksam für Details. Für mein Medizinstudium,
für das ich sehr viele Fakten lernen musste, war das sehr hilfreich.
Dafür fällt es mir oft schwer, übergeordnete Zusammenhänge zu erkennen.
Deshalb lese ich keine Romane und schaue keine Filme, in denen viele
Personen auftreten.
Leicht war der Schritt nicht, dennoch war es für mich ein großer
Befreiungsschlag, als ich meine Diagnose bei der Arbeit offenbarte.
Einmal kam eine wütende Kollegin zu mir und sagte: "Ich könnte in die
Luft gehen!" Daraufhin fragte ich sie nach ihren Urlaubsplänen und wohin
sie gerne fliegen würde. Dass sie sich über einen Patienten geärgert
hatte, habe ich nicht gemerkt. Asperger-Autisten nehmen Aussagen oft
wörtlich. Die Kollegin wusste über mich Bescheid und nahm meine
befremdliche Reaktion gelassen.
Seit einigen Jahren unterstützen mich eine Psycho- und eine
Ergotherapeutin. Mit ihnen kann ich zum Beispiel Probleme beim Kontakt
mit anderen besprechen. Dadurch bin ich viel lebendiger geworden. Vor
einiger Zeit war ich auf einem Jugendstilfest. Früher hätte ich große
Menschenmassen nicht ertragen und wäre lieber zu Hause geblieben. Doch
als ich nun über die Anlage schlenderte und mir die tollen Gebäude
ansah, konnte ich mich sogar darüber freuen.
Mein Ziel ist es, auch andere Betroffene zu ermutigen, sich dem Leben
mit allen seinen Herausforderungen zu stellen. Deshalb halte ich
Vorträge und schreibe Bücher über Autismus."
...
Der nächste Fall zeigt, wie schwierig es sicherlich für Menschen mit dieser Krankheit ist, zu arbeiten ... sie werden niemals zu Teamarbeit fähig sein .. ich denke auch nicht zu virtueller Teamarbeit, was ich an meiner Bekannten genau gemerkt habe, mit der ich mir wirklich sehr viel Mühe gegeben habe, aber irgendwann war es einfach doch zu viel.
....
Bastian Hamer*, 16, Asperger-Autist, Schüler
"Ich bin im ersten Schuljahr einer kaufmännischen Berufsfachschule.
Oft loben mich die Lehrer für meine überdurchschnittlichen Leistungen.
In der großen Pause gehe ich normalerweise direkt ins nächste
Klassenzimmer und warte dort bis der Unterricht weitergeht.
Witze, die meine Klassenkameraden erzählen, verstehe ich häufig
nicht. Mit Ironie kann ich genausowenig umgehen. Ich nehme alles gleich
ernst. Das verstehen die anderen nicht. Es nervt mich, wenn mich
Mitschüler dumm anmachen oder vor anderen über mich und meine
Verhaltensweisen herziehen, dann neige ich zu Wutausbrüchen. Die
Diagnose Asperger-Syndrom bekam ich Mitte 2009, da war ich 13. Besonders
erschreckt hat mich das aber nicht. Denn eigentlich wusste ich schon,
dass ich anders als 'normale' Menschen bin.
Umarmungen sind unerträglich
Freunde in der Schule habe ich nicht. Denn obwohl meine Mitschüler
wissen, dass ich Asperger-Autist bin, verstehen sie nicht genau, was das
ist und wie sie damit umgehen sollen. Vor einigen Wochen wollte mich
ein Klassenkamerad freundschaftlich umarmen. Ich habe das aber nicht
zugelassen, denn ich kann das nicht ab. Das ist typisch für
Asperger-Autisten, wir mögen körperliche Nähe nicht.
Einmal haben mich zwei Mitschüler nach der Schule verfolgt. Sie
stiegen in den gleichen Zug und liefen mit etwas Abstand hinter mir her.
Bis vor meine Haustüre. Als ich sie am nächsten Tag darauf ansprach und
fragte, warum sie das getan hätten, taten sie so, als ob sie von nichts
wüssten. Das war natürlich gelogen. Das gefällt mir gar nicht und macht
mich wütend. Da ich nicht lügen kann, wie eigentlich alle Autisten,
kann ich diese Handlungsweise nicht verstehen.
Demnächst wird ein Beratungslehrer von der Schulpsychologischen
Beratungsstelle in die Klasse kommen. Er wird den Schülern und Lehrern
genau erklären, was das Asperger-Syndrom ist und warum ich mich so
verhalte. Bis Ende 2012 habe ich auch Stunden bei einer Heilpädagogin
genommen. Für das Training mit der Pädagogin habe ich jetzt aber keine
Zeit mehr, denn in meiner Freizeit mache ich sehr viel Musik: Ich spiele
Klavier und Orgel und habe vor kurzem auch noch mit Gesangsunterricht
angefangen. Musik ist meine große Leidenschaft. Dafür lebe ich."
*Name geändert