Mittwoch, 8. Februar 2017

So ungesund ist Stress in der Kindheit !!!

Ich bin auf dieses Thema über einen Text-Auftrag gekommen


Ich habe eben was über den Zusammenhang von Stress in der Kindheit und Fibromalgie im Erwachsenenalter geschrieben und bin dabei auf alle möglichen Texte gestoßen, wo drin steht, die krank es machen kann, wenn man als Kind großem Stress ausgesetzt ist.

Ich suche Euch da mal was von zusammen, weil das ein sehr interessantes, aber auch sehr trauriges Thema ist.

Manche Formen von Stress, die Kinder schon dauerhaft krank machen können, lassen sich gar nicht immer vermeiden .. es geht bei dem Stress nämlich nicht nur um Gewalt, Verwahrlosung und so schlimme Sachen ... auch die Trennung von der 1. Bezugsperson z. B., wenn die z. B. krank wird oder so .. kann schon reichen.


Daraus mal:

Körperliche Erkrankungen

Wenn eine Person eine oder mehrere dieser Risiko-Verhaltensweisen zeigt, zum Beispiel Alkoholmissbrauch, Drogenkonsum, Rauchen oder/und Übergewicht, dann steigt das Risiko für körperliche Erkrankungen. Für folgende Erkrankungen ist die Eintretens-Wahrscheinlichkeit unter ACE ≥ 4 doppelt so hoch wie unter ACE = 0: Koronare Herzkrankheit (5,6 % vs. 3,7 %), Schlaganfall (4,1 % vs. 2,6 %), chronisch obstruktive Lungenerkrankung (8,7 % vs. 2,8 %), jemals Hepatitis/ Gelbsucht (10,7 % vs. 5,3 %). Erhöht ist die Wahrscheinlichkeit bei ACE ≥ 4 auch für Krebs, Diabetes und jemals Knochenfraktur. Kindheitstraumen werden daher angesehen als die "grundlegenden Ursachen" von Erkrankungen und Sterblichkeit im Erwachsenenalter.[3]
Von den ursprünglichen Teilnehmern der ACE-Studie waren nach durchschnittlich knapp acht Jahren 1539 verstorben. Die Sterblichkeit war umso höher, je mehr Kindheitsbelastungs-Kategorien die Befragten ausgesetzt gewesen waren. Bei Personen mit ACE-Wert = 0 betrug das mittlere Sterbealter 79,1 Jahre, bei einem ACE-Wert ≥ 6 betrug es 60,6 Jahre, das heißt die mittlere Lebensdauer war um fast 20 Jahre verkürzt. Die fünf häufigsten führenden Todesursachen, die zusammen etwa 90 % aller Todesfälle erklären, waren: Herz-Kreislauf-Erkrankungen, maligne Neubildungen, Nerven- und Sinnes-Erkrankungen, Atemwegserkrankungen sowie Erkrankungen des Verdauungssystems. Der angenommene Zusammenhang zwischen Kindheits-Belastungen und verkürzter Lebenserwartung wurde bestätigt.[9]

Psychische Erkrankungen

Auch psychische Erkrankungen treten in Abhängigkeit vom Ausmaß der Kindheits-Belastungsfaktoren häufiger auf, und zwar depressive und Angsterkrankungen, Suizidalität, somatoforme Störungen, Essstörungen, Suchterkrankungen, Persönlichkeitsstörungen sowie Posttraumatische Belastungsstörung.[7][6] Hier ist ebenfalls anzunehmen, dass die Risiko-Verhaltensweisen an der Krankheitsentstehung mitbeteiligt sind.
Patienten mit Borderline-Persönlichkeitsstörung haben in hoher Zahl im Lebenslauf Traumata erlitten: sexuelle Gewalterfahrungen etwa 65 %, körperliche Gewalterfahrungen etwa 60 %, Vernachlässigung etwa 40 %.[10] Aus psychotherapeutischer Perspektive wird sexuelle Traumatisierung in der Kindheit als die wichtigste Verursachung der Borderline-Persönlichkeitsstörung angesehen. Nach "langjähriger klinischer Erfahrung ist gewaltsame sexuelle Penetration der Körpergrenzen das seelisch Schädlichste, was einem Kind angetan werden kann."[11] Ein Teil der Borderline-Kranken ist zwar ohne schwerwiegende Trauma-Ereignisse, aber in einer „vernachlässigenden, starr normierenden oder invalidierenden Erziehungsumgebung“ aufgewachsen, was sich als emotionale Vernachlässigung beziehungsweise emotionaler Missbrauch auswirken kann.[12]
Als wichtigster Ursachenfaktor für dissoziales Verhalten und die Entwicklung der dissozialen Persönlichkeitsstörung wird „häufige, wiederholte, länger dauernde, demütigende körperliche Misshandlung“ angesehen.[11] Personen mit dissozialer Persönlichkeitsstörung haben „in der frühen Kindheit ebenso wie im weiteren Verlauf ihres Lebens zum Teil schwerste Verlust- und Mangelerfahrungen [im Sinne von Misshandlung, Missbrauch und Vernachlässigung] durchgemacht.“[13]
„Zusammenfassend legen die Ergebnisse der Traumaforschung einen wesentlichen Einfluss von Traumata [in der Kindheit] auf die Entwicklung späterer Persönlichkeitsstörungen nahe. […] Traumata sind jedoch keine notwendigen oder gar hinreichenden Bedingungen für die Entwicklung von Persönlichkeitsstörungen.“ Nach Trauma-Erfahrung entwickeln sich vorrangig narzisstische, Borderline- und dissoziale Persönlichkeitsstörungen (sogenannte Cluster-B-Persönlichkeitsstörungen).[14]
Nach psychoanalytischer Auffassung beeinflussen frühkindliche Erfahrungen sowie traumatische und Belastungs-Ereignisse in der Kindheit maßgeblich die Entwicklung der Persönlichkeit und führen zur Entstehung von psychischen Erkrankungen. Die oben genannten Risikoverhaltensweisen können als Mechanismen zur Abwehr unbewusster innerer Konflikte sowie als Reinszenierung von traumatischen Eltern-Kind-Konstellationen (Wiederholungszwang) verstanden werden. Die Ergebnisse der ACE-Studie werden als epidemiologische Bestätigung (Validierung) der entsprechenden psychoanalytischen Konzepte gewertet.[15]
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Daraus auch mal:

 
Opfer von Kindesmisshandlungen haben Forschern zufolge ein erhöhtes Risiko für körperliche Erkrankungen. Woran das liegt und was es noch zu erforschen gilt, erläutert die Psychologie-Professorin Christine Heim von der Berliner Charité. Was weiß man bislang darüber, wie sich Gewalt und Vernachlässigung auf die Gesundheit der Opfer auswirken? 
Christine Heim: Eine ganze Menge. In den USA und Europa ist vielfach gezeigt worden, dass Traumata und andere starke Stresserfahrungen in der Kindheit Risikofaktoren sind für eine Reihe von Erkrankungen im späteren Leben. Das wurde vor allem für Depressionen, Angststörungen und Abhängigkeiten erforscht. Aber man hat erkannt, dass es auch ein Risikofaktor ist für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Schlaganfall, Diabetes, Immunerkrankungen und Krebs.


Woran liegt das? Was bewirken Gewalterfahrungen im Körper?
Es scheint sich im Organismus, im Gehirn, im Immunsystem durch das Kindheitstrauma etwas zu verstellen, das anfälliger macht für bestimmte Erkrankungen. Unser Gehirn verarbeitet ja den Stress und wird massiv durch Erfahrungen geformt. Die Genetik gibt den Bauplan vor, aber was ausgebildet wird an Schaltkreisen, hängt von Erfahrungen ab.
Emotionale Erfahrungen und Stress früh in der Entwicklung eines Kindes können zum Beispiel genau diese Schaltkreise programmieren, die an der Anpassung an Stress beteiligt sind. Wenn die negativ beeinflusst werden, kann das gut erklären, warum Betroffene später anfälliger sind.
In welchem Alter zeigen sich Folgen der Kindheitserfahrungen?
Frühe Stress- oder Traumaerfahrungen verändern den Schwellenpunkt im Gehirn und im Körper für weitere Stressreaktionen: Die Personen werden später selbst bei geringerer Belastung eher depressiv, zum Beispiel. Nach der Pubertät und im Erwachsenenalter kommen weitere Faktoren hinzu, so dass Krankheiten ausgelöst werden.
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Der Text ist sehr gut .. es lohnt sich, den ganz zu lesen .. rauskopieren kann ich das nicht alles hierher .. nur einige wichtige Passagen:

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 Viele psychische Erkrankungen haben ihren Ursprung in der Kindheit. Vor allem negative Bindungserfahrungen hinterlassen im adulten Gehirn eine „Stressnarbe“.

Der bekannte Psychologe Paul Watzlawick äußerte sich einmal: „Man kann in der Wahl seiner Eltern nicht vorsichtig genug sein.“ Dieser Satz beschreibt die enorme, prägende Verantwortung der engsten Bezugspersonen im frühen Kindesalter. Bereits der Moment der Befruchtung unterliegt ganz unterschiedlichen Bedingungen. Handelt es sich um ein Wunschkind, einen „Zufall“ oder gar um die Folge sexueller Gewalt? Andererseits wird die Schwangerschaft als Ultima Ratio für die Rettung fragiler Beziehungen eingesetzt. So erfüllen „Lebenssinnkinder, Ehekittkinder oder Frauenrollendefinitionskinder“ die Funktion eines Markenartikels, bei dessen Produktion nichts dem Zufall überlassen wird.
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 Das Kind ist, besonders in den ersten fünf Lebensjahren, seinen engsten Bezugspersonen, vor allem der Mutter, völlig ausgeliefert. Nähe und Distanz, Erziehungsstil und Vorbildfunktion setzen elementare Meilensteine für den späteren Lebensweg. Ist der Vater streng und pedantisch, körperlich krank, alkoholsüchtig oder gewalttätig? Ist die Mutter depressiv, religiös, ehrgeizig oder chronisch überfordert? Setzt die Scheidung der Eltern eine scharfe Zäsur im konflikthaften Familienmilieu und verlangt vom Kind unzumutbare Parteilichkeit? Wird die Rivalität unter Geschwistern leichtfertig durch ungleiche Zuwendung bis zum vernichtenden Hass geschürt? Wird in der Familie gemeinsam gesprochen, gegessen, gestritten, gespielt und gelacht oder herrscht abseits jeder Spontaneität ein Geist strenger Rituale, kühler Distanz und aseptischer Sauberkeit?
Nestwärme oder kalter Stress
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Geht die primäre Bezugsperson, traditionell die Mutter, feinfühlig und ver-lässlich mit den Wünschen des Kindes um, so wird es Urvertrauen entwickeln. Die ersten 18 Monate entscheiden, ob das Kind im späteren Leben Beziehungsfähigkeit erlangt und seine Affekte angemessen regulieren kann.
Die Präferenz für das Gesicht der Mutter, das Antwortlächeln im dritten Monat und das Fremdeln im achten Monat sind wichtige Hinweise dafür, dass die Unterscheidungsfähigkeit schon gut entwickelt und das Bild der Mutter verinnerlicht ist. Die Exploration, das heißt das Erkundungsverhalten des Kleinkindes, erfolgt nur bei Anwesenheit der bekannten Bezugsperson, die als sichere Anlaufstation dient. Die ungestörte Entwicklung des Kindes in den ersten Lebensjahren basiert auf feiner Wahrnehmung kindlicher Bedürfnisse, intuitiver elterlicher Empathie und Affektresonanz.  
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Anhaltende Beziehungstraumen können durch emotionale Vernachlässigung bei Ablehnung des Kindes oder die Zufügung von Gewalt durch die Bezugsperson entstehen. Singuläre traumatische Erlebnisse werden wahrscheinlich besser kompensiert als Störungsmuster, die aus täglich wiederholten Erfahrungen resultieren. Als gesicherte kindliche Risikofaktoren gelten heute: niedriger Sozialstatus der Elternfamilie, chronische Disharmonie der Eltern, verminderte Verfügbarkeit der Bindungspersonen und Gewalt. Protektiv wirken eine psychisch gesunde Mutter, ein gutes Ersatzmilieu nach Mutterverlust, soziale Kontakte, mindestens durchschnittliche Intelligenz und aktives Temperament des Kindes.
Anhand von Tierversuchen konnte gezeigt werden, dass postnatale Trennungserlebnisse eine erhöhte Sekretion von CRH, ACTH und Cortisol bewirken. Dieses messbare Korrelat für Stress wird auch bei depressiven Patienten beobachtet. Die durch Körperkontakt angeregte hirneigene Endorphinausschüttung wird durch Trennung von der Mutter unterbrochen. Anhaltender frühkindlicher Stress führt im unreifen Gehirn zu einer bleibend erhöhten Empfindlichkeit der Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse sowie zu einer Volumenverminderung des Hippocampus durch erhöhte Glukokortikoidspiegel. Frühkindliche Traumata oder Stress bedingen Dysfunktionen in der Ausbildung von Synapsen, Störungen der Migration sich entwickelnder Nervenzellen oder fehlerhafte Differenzierung funktioneller Neuronenverbände (Amygdala, Hippocampus, anteriorer Gyrus cinguli, präfrontaler Kortex). Man vermutet eine spezifische Vulnerabilität im Bereich des limbischen Systems und des Hirnstammes der rechten Hirnhälfte, da Funktionen wie Bindungs- und Beziehungsverhalten, Affektregulation und Stressmodulation primär rechtshemisphärisch gesteuert werden. Demzufolge sind sichere Bindungserfahrungen Voraussetzung für die Balance der Stressachse im kindlichen Gehirn und effiziente neuronale Vernetzung. Andauernde Bindungsdefizite stellen die Basis für Psychopathologie beim Erwachsenen dar.
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 Das Unbewusste vergisst nie
Eine reproduzierbare Erinnerung an Erfahrungen ist vor Vollendung des dritten Lebensjahres nicht möglich, da der Hippocampus bis dahin noch nicht ausgereift ist. Beim Hippocampus handelt es sich um einen wichtigen Zellverband des Gehirns, der für die Speicherung bewusster Langzeiterinnerungen (explizites Gedächtnis) verantwortlich ist. Diese autobiografische Speicherung funktioniert besonders gut, wenn mit einer bestimmten Erfahrung starke Emotionen verknüpft sind, also etwas Neues oder Bedeutsames geschieht.
 Frühkindliche Erfahrungen hingegen, vor dem dritten Lebensjahr, werden vom impliziten (unbewussten) Gedächtnis gespeichert. Freud prägte dafür den Begriff „infantile Amnesie“. Neurowissenschaftlich gibt es heute keinen Zweifel daran, dass frühkindliche Erfahrungen an der Konstruktion des Neuronennetzwerkes im Gehirn maßgeblich beteiligt sind und so die künftige Persönlichkeit formen. Wird beispielsweise ein zweijähriges Kind von seiner Bezugsperson oft niedergebrüllt, so verarbeitet es diesen Reiz direkt in der Großhirnrinde. Die unbewusste Wahrnehmung der lautstarken Ablehnung wird unauslöschbar im impliziten Gedächtnis eingeschrieben (Priming, „Narbe“) und bewirkt möglicherweise im Erwachsenenalter eine Angststörung oder unsichere soziale Kompetenz, ohne dass dem Betreffenden die eigentliche Ursache dafür bewusst ist.
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 Als Resilienz bezeichnet man jene psychische Widerstandskraft, die Menschen, trotz belasteter Kindheit, in die Lage versetzt, Frustrationen zu überwinden, ohne Krankheitssymptome zu entwickeln. „Es geht im Leben nicht darum, gute Karten zu haben, sondern mit einem schlechten Blatt ein gutes Spiel zu machen“ (Robert Louis Stevenson). Diese „Survivors“ sehen das Leben optimistisch, fühlen sich gesund und vital, leben in stabilen Partnerschaften und haben einen verlässlichen Freundeskreis. Schwere Niederlagen und Krisen bewältigen sie entweder alleine oder sind in der Lage, andere um Hilfe zu bitten.
 Vielen Menschen fällt das Leben jedoch schwer. Sie ziehen sich zurück, wenn Konflikte auftauchen, sind unzufrieden in Beziehungen, erleben sich vielmehr als Gebende statt als Nehmende. Sie sehnen sich nach Nähe, doch wenn sie entsteht, können sie diese oft nicht ertragen. Ihr Problem ist das Gefühl, zu kurz gekommen zu sein oder versagt zu haben. Ihre selbstempfundene Tragik ist das „ungelebte Leben“. Diese dysphorische Grundstimmung wird in der Psychopathologie als Neurotizismus oder emotionale Instabilität bezeichnet.
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So .. auch wenn der letzte Text nur ums Psychische ging und nicht um auch aus Stress in der Kindheit resultierenden körperlichen Krankheite, so finde ich, der erklärt sehr gut, wie wichtig es für ein Kind ist, in einer möglichst stressarmen Umgebung aufwachsen zu können.

Mir selbst war es leider nicht möglich, meinen eigenen Kindern so eine stressarme Kindheit zu ermöglichen, weil meine Ehe leider nicht glücklich gewesen ist. Es wäre schön gewesen, wenn es anders gewesen wäre.

Ich glaube allerdings, sie schlagen sich dafür recht gut durch. Vielleicht sind sie ja doch alle mit ein wenig Reslienz wie oben beschrieben gesegnet.

LG
Renate
 

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