Donnerstag, 24. Mai 2012

Familienfeindliches Deutschland

Teil 1: Mit Kindern auf Wohnungssuche

Unlängst schrieb ich hier darüber, wie schwierig es in Deutschland sein kann, Haustiere in der Wohnung zu halten und bekam einen Blog-Kommentar, dass es noch schwieriger sei, mit nur einem Kind eine neue Wohnung zu finden, denn Kinder seien bei Vermietern noch unbeliebter als Haustiere.

Ja, das stimmt, habe ich der jungen Frau geantwortet, denn davon kenne ich persönlich auch etwas. Ich habe nämlich nicht nur ein Kind bekommen und groß gezogen, sondern vier Stück davon.
Das da oben sind sie alle vier kurz vor einer Faschingsparty, als sie noch in einem Alter waren, dass ich mich habe um das Wohl und Überleben von allen kümmern müssen. Heute sind drei davon bereits selbst Eltern und wissen sicher genau, wie schwer es ist, heute mit einer Familie zu überleben, denn das ist in unserem Land ja nicht leichter geworden, sondern wird immer schwerer.
Als ich jung war, erbte meine Mutter von meinen Großeltern ein eigenes Haus, das für meine Großfamilie aber zu klein war, so dass wir haben anbauen müssen. Ich hatte das Glück, eine Mutter zu haben, die auf meine Kinder aufpasste und mir half zu arbeiten. Solange wir also im eigenen Haus wohnten, war alles noch relativ einfach. Auf dem Foto unten seht Ihr meine Mama, mich und meine vier Kinder vor unserem damals noch eigenen Haus.

Aber die Zeiten wurden schlechter und im Beruf war Flexibilität gefragt, so dass ich damals gezwungen war, unser Haus zu vermieten und wegen eines Arbeitgeberwechsels meines Ex-Mannes mit der ganzen Familie umzuziehen. Es folgten danach auch noch weitere Umzüge, später sogar mit Kindern und Pferden, die dann immer irgendwo in der Nähe auch noch ein Zuhause gebraucht haben.

Und ich weiß eines genau. Kinder will in Deutschland fast niemand haben. Ruft man an und fragt nach der Erlaubnis der Hundehaltung, Katzenhaltung oder gar einem Resthof mit Weideland hinterm Haus, ist das oft für den Vermieter kein Hinderungsgrund, ja zu sagen.

Ruft man aber an und fragt, ob man eine .. wie wir sie ja brauchten ... 7-Zimmer-Wohnung oder ein Haus dieser Größe mit eben drei Erwachsenen und vier Kindern mieten kann, da kriegt man eiskalt Antworten wie: "Also wir hätten da eher an ein älteres Ehepaar gedacht."

Glaubt Ihr nicht? Doch, das ist wirklich so, selbst bei Wohnungen mit dieser Zimmerzahl, wo sich jeder normale Mensch sagen sollte, spinnt dieser Vermieter. Warum sollte ein Paar ohne Kinder sich ein Haus mit 7 Zimmern mieten?

Ich habe mir bei jedem Umzug die Finger wund gewählt und Fransen ans Maul geredet, bis ich dann schon irgendwann geschafft habe, dass wir doch noch eine neue Bleibe finden, aber genauso wie meine junge Freundin hier, die mit Mann und Tochter erst einen kleinen Haushalt hat, erlebt, dass Kinder in Deutschland leider unerwünscht sind und unser Staat auch gerade für große Familien kaum günstige Wohnungen bereit stellt. Umso größer die Familie, umso schwerer wird es. Aber umso größer die Familie, desto weniger darf gerade eine Familie, die Hartz IV-Leistungen oder Wohngeld beanspruchen kann, für das Wohnen ausgeben. Diese Zahlen gehen an der Realität vorbei, denn umso größer die Familie, umso geringer ist die Chance, im Billiglohnland Deutschland noch so dazustehen, dass man weder Wohngeld noch ergänzende Hartz IV-Leistungen braucht.

Armes Deutschland, nicht wahr?

Denn die Menschen, die dafür sorgen, dass unser Sozialsystem nicht zusammenbricht, indem Sie für Nachwuchs sorgen, die werden hierzulande erbarmungslos im Stich gelassen.

Wo sonst noch, das werde ich hier nach und nach in weiteren Beiträgen erzählen.

Trotzdem war ich früher eine leidenschaftliche Mama. Kinder helfen einem, kämpfen zu lernen, denn man muss ja alles tun, damit sie groß werden.

LG
Renate


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