Freitag, 28. September 2012

Würde sowas ohne Angst und Not nicht passieren?

Die beiden folgenden Horrormeldungen hörte ich gestern am selben Tag im Radio und war mal genauer nachlesen.

Da bringt eine verheiratete Frau und Mutter von 2 Kindern aus Schleswig-Holstein 5 weitere Kinder,die sie anschließend geboren hat, einfach um, weil ihr Mann keine weiteren Kinder möchte. Außerdem hat sie unverständlicherweise über Verhütung nie nachgedacht und hatte Angst davor hat, den gewissen Wohlstand der Familie durch weitere Kinder zu gefährden. Der Vater will angeblich nichts von den Schwangerschaften und Geburten gewusst haben, was ich mir ehrlich gesagt nicht vorstellen kann. Dass die Nachbarn es nicht gesehen haben, weil sie immer weite Kleidung trug, halte ich für möglich. Gefühlsmäßig nachvollziehen kann ich sowas nicht, obwohl ich Armut kenne und weiß, wie verzweifelt man da manchmal sein kann.

Bericht siehe unten:

http://www.radiohamburg.de/Deutschland-und-die-Welt/Norddeutschland-kompakt/2012/September/Nach-Mord-an-ihren-fuenf-Kindern-28-Jaehrige-legt-Gestaendnis-ab

 Bei allem Ärger über das Projekt 50plus, in das ja auch Jürgen und ich gesteckt wurden und als wenig hilfreich und eher hinderlich für uns empfinden, ich kann auch nicht nachvollziehen, warum ein 52 Jahre alter Marokkaner und wohl alleinerziehender Vater von 3 Kindern seine Sachbearbeiterin für über 50jährige erstochen hat, nachdem er wohl einen Kollegen von ihr, wo er eigentlich hin wollte, nicht angetroffen hat, egal was die Frau ihm gesagt haben mag. Einmal soll er wohl beantragt haben, dass das Jobcenter den Idiotentest bezahlt, damit er seinen Führerschein wieder kriegt, was er wohl der Frau anlastete, die es abgelehnt hat. Ich kann das zwar nachvollziehen, dass er seinen Führerschein um Arbeit zu finden, wichtiger fand als diese schwachsinnigen Maßnahmen, in die man über 50jährige zwingt, die man dort dann wie hilflose Kinder behandelt, aber keine Arbeitgeber kennt, die Ältere überhaupt einstellen, aber das rechtfertigt doch trotzdem nicht so eine Handlungsweise. Dann soll er noch gesagt haben, er hätte Angst gehabt, das Jobcenter könnte an seinem Foto Millionen verdienen. Also diese Panik vieler Menschen vor Öffentlichkeit im Internet kann ich sowieso nicht verstehen. Wenn ich die auch hätte, würde ich sicher auch nicht so einen privaten Blog wie diesen hier haben. Ich finde Ehrlichkeit und Offenheit im Internet vielmehr sehr wichtig und auch richtig und diese Panikmache mit Angst vor Datenmissbrauch oft in meinen Augen zumindest komplett übertrieben.


Ich habe zwar neulich gerade gemeinsam mit Jürgen miterlebt, wie unser Tierarzt, den ich zwar als grobschlächtig und auch nicht immer kontrolliert, aber bisher nicht als komplett unkontrolliert kennen gelernt habe, auch ziemlich heftig ausgerastet ist und unter anderem dabei auch unser Pferd geschlagen hat, das ihn vorher nicht getreten oder so hatte, sondern ihm halt nur beim Impfen, weil es Angst hatte, laufend ausgewichen war, aber bereits das konnte ich nicht verstehen.

Wenn ich so etwas jetzt mit diesen beiden Fällen und dem Leben der Menschen in meiner Umgebung vergleiche und auch eigene Erlebnisse von meinem Partner Jürgen und mir dagegen stelle, wie können Menschen so die Nerven verlieren?

Wir kennen beide die Folgen einer Ehescheidung, Insolvenz, was oft die Folge einer Scheidung ist, Hartz IV-Bezug, Armut trotz Arbeit, Umzug in eine Sozialwohnung und ein entsprechendes Umfeld mit Menschen, die alle mehr oder weniger am Bodensatz dieser Gesellschaft angekommen sind. Ich habe, da es für mich weitgehend neben meinen Nachbarn die einzigen verbliebenen sozialen Kontakte sind, viel Austausch mit oft komplett vereinsamten Menschen, deren einzige Kommunikationsmöglichkeit,die sie noch haben, das Internet ist, erlebe hier Trauer, Verzweiflung, Mutlosigkeit, Wut und vieles mehr immer wieder durch virtuelle oder im Haus und in der Nachbarschaft auch echte Gespräche mit.

Ich habe selbst erlebt, dass alte Freunde und die Familie sich zurück ziehen, was verarmten Menschen im Krankenhaus oder Pflegeheim passiert, nämlich an unseren eigenen Müttern und habe große Angst, auch mal so enden zu müssen, allein gelassen.

Ich bin aggressiv geworden, so war ich früher nicht, einfach weil ich mich von allen Seiten angegriffen fühle und tobe mich, weil es vermtlich meine Art ist, aber diesbezüglich lieber an meiner Tastatur aus, versuche auf diese Weise schreibend und ganz öffentlich darauf aufmerksam zu machen, was mir an unserem Staat nicht gefällt.

Würde ich vielleicht ohne diese Möglichkeit, die ich mir geschaffen habe, um die Angst und den Druck loszuwenden, anders reagieren und handeln?

Vielleicht genauso wie mein Tierarzt, der etabliert war und nun durch die Trennung von seiner Frau plötzlich vor der Situation steht, mit Pech wie viele Menschen ins soziale Aus zu rutschen und deshalb genau kontraproduktiv das tut, was er besser nicht täte, nämlich auch noch seine Kunden vor den Kopf stoßen, wodurch er noch viel schneller am unteren Ende der Fahnenstange ankommen wird.

Die Frau, die da reihenweise ihre eigenen Kinder abgeschlachtet hat, hat wahrscheinlich die gleiche Angst gehabt und hat die nicht wie ich, einfach in die Welt hinaus geschriehen.

Und der Mann, der da im Jobcenter seine Sachbearbeiterin umgebracht hat, hat wohl auch anders als ich für sich kein Ventil gefunden, wo er seine Aggressionen lassen kann.

Schon grausam.

Was ich allerdings denke ist, dass inzwischen unendlich viele Menschen unterschwellig in diesem Land vor Angst und Not und Wut krank werden, auch psychisch krank und eben nicht jeder handelt dann noch in einem sozial verträglichen Rahmen.

LG
Renate

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