Freitag, 4. Oktober 2013

Pferde – Unsere stolzen Freunde

Teil 21

Eine Weile fühlten wir uns in Boksee mit den Pferden fast heimisch


Aus Klein-Barkau wechselten Jürgen und ich mit Chiwa und Prima nach Boksee. Die Behauptung unserer damaligen Tierärztin, Chiwa hätte in Klein-Barkau einen Hufreheschub gehabt, war vollkommen unsinnig, denn wir gingen sehr schnell dort weg, und zwar zu Fuß. Ein Pferd mit Hufrehe hätte so weit gar nicht laufen können und unser damaliger Schmied hat auch gesagt, sie hätte vielmehr eine leichte Strahlfäule wegen der mangelnden Hygiene in Tiefstreu gehabt. Das gab sich dann auch schnell.

Den neuen Stall in Boksee fand ich über das Internet in einer Kleinanzeige, rief dort an uns stellte fest, dass es die Leute waren, die vor vielen Jahren einmal die Wohnung und die Stallungen gemietet hatten, die später auch mein Ex-Mann und ich mit der Familie und den Pferden angemietet hatten. Der Ärger, den wir ja auch erlebt hatten, war bei ihnen derselbe gewesen.

In diesem Stall blieben wir recht lange, und zwar von Juni 2008 bis Januar 2011. Es war dort nicht alles schlecht, es war auch vieles gut. Wenn es nicht so gewesen wäre, wären wir sicher auch nicht so lange dort geblieben.

Es perfekt zu nennen, wäre aber etwas anderes und vieles, was dort an der Tagesordnung war, war wie in eigentlich den meisten Pensionsställen, die wir bisher kennengelernt haben, einfach fahrlässig und leichtsinnig und auch oft entgegen der Versprechungen, die man uns zu Anfang gemacht hat.

Nixe und Reno sahen wir, wenn wir in Raisdorf einkaufen gingen oder Pferdefutter in der Raisdorfer Mühle kauften, wenn wir am Hof meiner Tochter Esther in Schwentinental vorbei führen, nach wie vor gelegentlich auf der Weide laufen. Einen guten Kontakt zu ihr oder dem Rest meiner Familie oder auch der von Jürgen hat es aber nie wieder gegeben, obwohl wir uns beide sicherlich nicht vorwerfen können, wir hätten das nicht immer wieder versucht. Es gab viele Kontaktversuche von uns beiden in Richtung unserer Kinder, zunehmend vorsichtig und oft nur noch in Form von virtuellen oder postalischen Grüßen, aber doch so, dass eine posltive Reaktion darauf ganz sicher möglich gewesen wäre.

Nun ja. Jürgen und ich arrangierten uns. Wir versuchten, die Stallgemeinschaft im ersten Stall, in dem wir in Boksee waren, als eine Art Familienersatz oder Freundeskreis zu betrachten, aber das ist immer nur so lange in einem Stall so, wie es keinen Ärger mit den Stallbetreibern gibt.

Der Stall war recht teuer und wurde im Laufe der Zeit auch noch einmal unter nicht eben netten Bedingungen im Preis angehoben. Das kam so:

Die Stallbetreiber fragten uns, ob sie von unserer Stute Prima ein Fohlen haben dürften und weil wir uns damals sehr wohl fühlten, sagten wir ja. Im ersten Jahr passierte dann diesbezüglich aber nichts außer, dass sie zwei ihrer eigenen Stuten decken ließen und die Tiere beide verfohlten.

Im Jahr darauf dieselbe Frage und dann noch die Äußerung, für die Großpferde den Preis anzuheben, aber gleichzeitig der Vorschlag, wenn Prima ein Fohlen bekäme, würde sie solange sie trächtig sei und das Fohlen aufziehen würde, nichts kosten.

Aber später ließ sie wieder niemand decken, nur den höheren Einstellpreis für sie, den haben wir ab dann brav bezahlt.

Es gab nur einen einzigen Reitplatz, der aufgrund sehr vieler Einsteller und auch noch anderer Leute aus dem Dorf, die ihn gegen Gebühr nutzten sowie Reitschülern und Reitbeteiligen an den eigenen Pferden laufend belegt war. Es gab kein Round Pen, keinen Übungsplatz, nur Spaziergänge auf der Straße, wenn auf dem Reitplatz mal wieder kein Platz für uns war. So wurden allerdings Chiwa und Prima sehr straßenfest. Sie waren das auch sowieso schon, weil sie im Sommer immer auf einer Waldweide waren, die weit weg vom Hof war und so mussten wir immer mit ihnen an der Straße entlang laufen. Das brachte uns Erfahrung und Sicherheit.

Nicht nett fanden wir, dass das Versprechen, unsere beiden Pferde im Winter in einem gemeinsamen Auslauf laufen zu lassen, nicht eingehalten wurde, denn im Sommer stand Chiwa mit einem anderen Rehepony zusammen auf der Weide.

Das Zufüttern mit Heu und Stroh klappte oft nicht, das Wasser war sehr oft auf den Waldweiden sehr schmutzig und man konnte nichts tun, denn es musste ja mit dem Trecker dort hin gefahren werden.

Im 2. Sommer empfanden wir es schon als wirklich unmöglich, Prima auf eine Weide am ganz anderen Ende des Dorfes zu stellen und Chiwa auf dieser Waldweide zu lassen. So rannten wir immer nur hin und her, wenn wir bei den Pferden waren.

Im letzten Winter wurden wir dann gefragt, ob Chiwa in einem anderen Stalltrakt als Prima stehen könnte. Das bedeutete dann, dass sich unsere beiden Pferde weder auf der Weide noch im Auslauf und nichtmal mehr im Winter nebeneinander in ihren Boxen begegneten, sondern nur noch, wenn wir gemeinsam ca. jeden 2. Tag mit ihren etwas unternahmen, denn jeden Tag nach Boksee zu fahren, konnten wir uns bei dem hohen Preis nicht leisten.

Schlimm war in diesem Stall, dass die Pferde so oft ausbrachen und frei im Dorf rumliefen. Warum das so war, bemerkte ich, als die andere Rehestute, die zusammen mit Chiwa dort stand, wieder Hufrehe bekommen hat und ich bemerkte, dass viele Zäune gar nicht an den Strom angeschlossen waren, sondern an die Bäume geknotet. Im Knick alles voller Adlerfarn und giftigem Jelängerjelieber. Wir sagten Bescheid.

Das Paar dort hatte gerade geheiratet. Der Mann lernte übrigens Schmied und hat damals die Hufe unserer beiden Pferde immer gut bearbeitet. Er war gebürtiger Engländer. Wir waren sehr tolerant, als immer wieder auch Chiwa von ihrer Weide weglief, sich irgendwo den Bauch vollschlug. Sie hatte aber keinen neuen Reheschub. Aber als Monate später dann immer noch die Zäune nicht in Ordnung waren, schrieb ich darüber in meinem Hufrehe-Forum.

In der Zwischenzeit hat Jürgen übrigens dort gelernt, auf Chiwa zu reiten, aber noch ohne Sattel. Er hat mit Hilfe der Stallbetreiberin sogar zweimal auf Prima gesessen, sie hat ihn geführt, aber beim zweiten Mal warf Prima ihn ab. Ich war der Meinung, sie könnte ihn abgeworfen haben, weil der Sattel zu weit hinten gesessen hätte und schrieb auch darüber .. nicht böse, sondern einfach überlegend, was der Grund gewesen sei, dass sie das zweite Mal so reagiert hätte … in meinem Hufrehe-Forum.





Dann brach sich meine Mutter ein Bein und landete im Krankenhaus und wir bekamen sie als schweren Pflegefall zurück. Es war für jeden abzusehen, dass meine Mama sicher die letzten Monate bis vielleicht Jahre ihres Lebens vor sich hatte.

Erst dann wurden wir von heute auf morgen attackiert, dass wir öffentlich im Forum über die unsicheren Zäune und das Satteln von Prima berichtet hätten. Die Stallbetreiberin schmiss uns mitten im Winter von heute auf morgen raus und sagte, sie würde unsere Pferde nicht mehr füttern, wir könnten zu einem Nachbarstall wechseln, und das sofort.

Wir bemerkten, dass eine Freundin von ihr direkt an diesem Tag aus diesem anderen Stall zu ihr wechselte. Brauchte die für ihr Pony Chiwas Box, weil es beim Nachbarn Ärger gegeben hatte? Außerdem war im Sommer davor der Stallbetreiberin eine Stute an Kolik gestorben und sie hatte ein anderes Großpferd aufgenommen. Brauchte sie nun eine zweite Box, um dieses Großpferd durch eines neues zu ersetzen?

Hat man uns dort einfach so fies raus geekelt und das Forum, das jeder kannte, als Vorwand genommen, weil zwei Plätze frei gemacht werden sollten?

Erfahren werden wir die Wahrheit nie, aber die Vermutung liegt nahe.

Ob die Angst, wir könnten ohne das Pflegegeld für meine Mutter, die ja sehr krank war, später vielleicht nicht mehr so regelmäßig bezahlen wie sonst, eine Rolle spielte, mag auch sein.

So nett wie es dort zuweilen war, es gab viele Mängel und das Ende war wirklich eines mit Schrecken, das kann man nicht anders sagen.



Bald geht es weiter mit unseren Erlebnissen im Nachbarstall in Boksee.

LG
Renate

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