Mittwoch, 12. März 2014

Pferdeäppel-Infos für Nichtpferdehalter

Zum besseren Verständnis der Argumente von Pferdehaltern

Mit diesem Beitrag in unserem Blog möchte ich mich auf die heiße Diskussion beziehen, die der Beitrag meines Mannes Jürgen von gestern unter den Pferdehaltern und auch vielen Lesern, die keine Erfahrung mit eigenen Pferden haben, ausgelöst hat.
Fast 2.500 Klicks haben wir gerade binnen ca. 24 Stunden auf diesem Beitrag, der scheint alle Rekorde zu schlagen, die wir hier bisher in diesem Blog hatten, wenn das so weiter geht und da Jürgens Überschrift noch nichtmal ein sogenanntes Keyword zum Thema enthält, beweist das auch, dass bei Google Inhalte tatsächlich mehr zählen als alles andere.
Ich möchte den Beitrag von Jürgen hier zunächst einmal verlinken, falls ihn jemand noch nicht kennen sollte:

Es regte sich da einer bei Facebook darüber auf, dass Reiter natürlich Pferdeäppel nicht sofort mitnehmen können und irgendein anderer Schwachmat ohne den Hauch einer Ahnung über Pferde kam dann auch noch auf die Idee, dass Reiter und Pferdehalter ihren Pferden doch ähnlich wie früher in Wien bei den Fiaker-Pferden mal eingeführt, einen Beutel unter den Hintern hängen könnten.
Dass diese Beutel aufgrund der damit verbundenen Tierquälerei inzwischen für die Fiaker-Pferde in ausfahrbare Auffangvorrichtungen an der Kutsche ersetzt wurden und eine Welle der Empörung bei den Kutschern und allen mitdenkenden Tierfreunden ausgelöst haben, wusste dieser Mensch natürlich nicht.
Dazu hier auch noch etwas Input, was ich Euch gestern selbst schon gesucht hatte, falls Ihr es noch nicht kennen solltet:
Besagte nun eingeführte ausfahrbare Apfeltaschen an der Kutsche kann kein Reiter mit sich führen, sondern allenfalls jemand, der oft mit der Kutsche unterwegs sein sollte.

In der Diskussion um Jürgens Beitrag fiel unter anderem auch der Vorschlag, dass Reiter doch immer einen Rucksack zum Mitnehmen der Pferdeäppel mit sich schleppen könnten. Das war nicht böse gemeint. Ich kenne die Leserin unseres Blogs, die sich das erdachte, schon lange, aber Reiter mit entsprechendender Erfahrung reagierten darauf natürlich entsprechend schockiert und auch wütend oder mit bissiger Ironie.

Ich möchte für diese Leserin und andere jetzt mal ein wenig Input über das Thema Pferdeäppel weitergeben, das für jeden Menschen, der Pferde hält, selbstverständlich ist, aber andere Leute können das ja nicht wissen.

Das rechts sind Chiwa, Prima und ihre neue Freundin Camilla, die seit 2 Tagen nun immer tagsüber gemeinsam Auslauf auf der kleinen Winterweide bei uns haben.

Als Pflanzenfresser ernähren sie sich fast ausschließlich von Heu und/oder Gras und bekommen nur als kleine Ergänzung noch Hafer, Müsli, Obst und Gemüse und dergleichen, um gewisse Defizite an Vitaminen und Mineralstoffen sowie Spurenelementen bei Heu und Gras auszugleichen.


Pferdefutter ist kalorienarm und sehr ballaststoffreich. Ein Pferd verbringt am Tag mindestens 16 Stunden oder länger damit, ununterbrochen Heu oder Gras und im Winter auch noch das Stroh seiner Einstreu zu fressen.

Pferde schlafen übrigens höchstens 3 bis 4 Stunden am Tag und selbst dann hält immer eines von ihnen Wache. Pferde sind nämlich Fluchttiere.

Weil sie Fluchttiere sind, brauchen Pferde unterwegs viel mehr Aufsicht als beispielsweise Hunde.

Ein Pferd erwartet von seinem Herrchen oder Frauchen die gleiche Aufmerksamkeit wie von seiner Leitstute (bei Pferden ist das Leittier immer eine Stute, nicht der Hengst, der einer Herde nicht voran läuft, sondern folgt, um bei Gefahr die Fohlen und Stuten mit seinem Leben zu schützen ... die Stute führt die Tiere voran laufend in sichere Gefilde).

Ein Reiter oder Pferdeführer darf nicht eine Sekunde unaufmerksam sein, wenn er draußen mit einem Pferd in der Natur oder auf der Straße unterwegs ist, das kann lebensgefährliche Folgen für alle Beteiligten haben, die in der Nähe sein sollten, falls ein Pferd panisch wird und durchgeht.

Ein Reiter oder Pferdeführer kann keinen Rucksack, keine Harke, keine Schaufel oder Riesenbeutel mit Pferdeäppeln mit sich schleppen und gleichzeitig noch ein Pferd reiten oder führen.

Oben in meiner Schubkarre befindet sich übrigens der Pferdemist von nur 8 Stunden (von morgens um 8.00 Uhr bis nachmittags um 16.00 Uhr heute), den die drei oben gezeigten Pferde heute in dieser Zeit ausgeschieden haben. Ich sammle nämlich jeden Tag die Pferdeäppel der Tiere draußen ein.

Auf meiner Schubkarre oben liegt ein Mistboy mit der dazu gehörenden Äppelharke.
In diesen Mistboy passt eine Portion Äppel meiner kleinen Ponystute Chiwa meistens rein.
Eine Portion Pferdeäppel von Prima geht da normalerweise nicht rein. Da muss ich zweimal harken, um alles mitzukriegen.
Nur damit Ihr eine Vorstellung davon bekommt, wie groß ein Haufen Pferdeäppel werden kann, den ein Pferd auf einmal ablegt.

Rechts seht Ihr übrigens Pferdeäppel von heute, ganz frische ... die Mistfliegen und Mistkäfer sind schon eifrig dabei, ihn auseinanderzunehmen und durch ihre Löcher unten in die Erde zu ziehen, um ihre Nachkommen damit zu ernähren.

Den Haufen Pferdeäppel von Camilla habe ich gestern vergessen einzusammeln, weil sie ihn mittig auf die Weide gelegt hatte, was für Chiwa und Prima untypisch ist, denn die beiden machen fast immer an die Grenzen ihrer Weide .. das haben die meisten Pferde an sich und ist Revierverhalten.

Deshalb hatte ich den übersehen, was aber gut war, denn so konnte ich Euch fotografieren, dass er schon dabei war, sich zu zersetzen, was bei Pferdemist sehr schnell geht.



Rechts seht Ihr Pferdemist, den unsere Vorgänger, die Ende November 13 gegangen sind, wohl zurück gelassen haben. Der hat sich im Winter bei Frost zunächst wenig verändert, beginnt nun aber, wo es warm wird, sich rasend schnell in sowas ähnliches wie Torfmull zu verwandeln, wie Ihr sicherlich sehen könnt.

Sowas stinkt in keiner Weise mehr, klebt auch nicht, sondern ist trocken ähnlich wie Stroh.



Und links ist kaum noch die Äppel-Form auszumachen. Dieser Pferdeäppel-Haufen ist so gut wie zersetzt und sozusagen schon Muttererde geworden.

Das passiert auch, wenn jemand irgendwo im Wald oder auf einem Feldweg seine Pferdeäppel nicht per Schubkarre nach dem Ausritt abholen kommt, und zwar in den Sommermonaten sehr schnell. Umso wärmer es draußen wird, umso aktiver sind die Pferdefliegen und Mistkäfer und zerlegen so einen Haufen Pferdemist im Hochsommer sogar binnen Stunden in seine Bestandteile.

Jetzt im Frühling, wo es nachts noch sehr kalt ist, dauert das noch ein bisschen länger.

So ... ich hoffe, dass alle Nichtpferdehalter nun etwas dazu gelernt haben.

Wenn noch Fragen bestehen sollten, fragt über die Kommentarfunktion. Ich erkläre das gern noch genauer.

LG
Renate

Kommentare:

  1. Früher waren die Leute froh, wenn ein Pferd sich vor ihrer Haustüre erleichtert hat und haben den wertvollen Dünger für Ihren Nutzgarten eingesammelt. Ganz schnell, bevor ihn der Nachbar holt ;-)
    Heutzutage kauft man sich Biodünger und Hornspäne.
    Verrückte Welt :-(

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  2. "Moin" Renate,
    ist danke Dir für die recht ausführlichen Ausführungen zum Thema Pferdemist, die Deinen vorherigen Beitrag hierzu sehr anschaulich ergänzen. Nur an einer Stelle muss ich Dich berichtigen: Die von Dir angesprochene aufmerksame Leserin "Rhab" ist gar keine Leserin - sondern ein aufmerksamer Leser Deines Blogs. Aber wissen konntest Du das natürlich nicht.
    Für diese Berichtigung wirst Du sicher Verständnis haben. Nichts für ungut...

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  3. Moin Rhab,

    gern geschehen .... wenn man nicht zu viele Pferde hat, erkennt man übrigens genau, welche Äppel von welchem Pferd sind und kann sich so auch über den Gesundheitszustand des Tieres informieren, wenn man täglich die Äppel einharkt ... und Du bist also ein Mann ...so kann das kommen, man macht sich von jedem Menschen, den man im Internet kennenlernt, ja innerlich ein Bild und kriegt möglicherweise nen Schreck, wenn man die Person irgendwann persönlich trifft, selbst dann, wenn man mehr Infos hat als ich von Dir ... ich weiß das aus meiner Arbeit als Forenmama für Hufrehe .. selbst die Telefonstimme kommt einem oft total komisch vor und man muss sich erst daran gewöhnen, weil man sich beim Lesen warum auch immer eine Vorstellung von dem entsprechenden Menschen macht. Aber dann weiß ich bei Dir zu Zukunft zumindest schonmal, dass Du männlich bist. LG Renate

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