Samstag, 14. Dezember 2013

Pferde - Unsere stolzen Freunde - Teil 23

Vom Regen in die Traufe


Unseren ersten Umzug von Boksee in Richtung unseres Wohnortes Preetz planten wir sehr sorgfältig, aber davor, sich dennoch zu irren, ist man leider nie sicher. Wir suchten recht überlegt und lange, bevor wir uns dazu entschlossen, unsere Pferde auf einen Reiterhof in Dinghorst zu bringen.
Wir übten mit ihnen vorher ausgiebig noch einmal, länger mit uns spazierenzugehen, denn es sollte durch einen Wald in Havighorst bis nach Dinghorst zu Fuß gehen, und das ja ohne Pannen.


Natürlich fragten wir die neuen Stallbetreiber danach, wie die Pferde dort denn später leben sollten und was wir tun könnten, falls Chiwa den Weidegang, den sie nun doch wieder zumindest stundenweise bekommen sollte, doch nicht vertragen sollte. Wir erklärten auch genau, dass Chiwa nicht viel Klee und keine Eicheln vertragen würde.





Es hieß, Prima könnte den ganzen Tag mit einem Andalusier und einer Scheckstute laufen und Chiwa nur stundenweise und in einen Auslauf kommen und dort zugefüttert werden, sollte sie den ganzen Tag Weidegang nicht vertragen.

Es hieß auch, die Weiden wären kleefrei, denn weil auf dem Vorplatz so viel Klee wuchs, hatten wir extra danach gefragt.

Das war alles gelogen.



Als wir Ende Mai gingen, hatten wir keine Ahnung, dass der Andalusier ein Hengst war, dass unter diesen Umständen selbstverständlich Chiwa und Prima nicht mit den anderen beiden auf einer Weide laufen konnten und dass dieser Hengst später auch noch mehrfach ausbrechen und Chiwa verletzen und ich schließlich in Panik das Kreisveterenäramt anrufen würde.







Wir begagen uns einfach nur guten Mutes auf die erste von insgesamt drei abenteuerlichen Wanderungen, bis unsere Pferde endlich in Sicherheit sein würden.








  Wir waren schneller als erwartet und wunderten uns in erster Linie bei unserer Ankunft darüber, dass auf diesem Reiterhof niemand da war und die neuen Stallbetreiber nichtmal über ihre Handynummer, die sie uns gegeben hatten, zu erreichen waren.

Gott sei Dank waren wir vorsichtig genug, unsere beiden Pferde trotzdem nicht zu den anderen auf die Weide zu stellen, bevor jemand kam. Sonst hätten wir jetzt vermutlich zwei Fohlen.






Dass der Andalusier ein Hengst wäre, erfuhren wir noch am selben Abend von einem Mieter auf dem Bauernhof, bei dem dieses komische Paar diesen Stall gepachtet hatte.

Sie haben den Stall inzwischen auch nicht mehr und der arme Andalusier lebt nicht mehr ... ob das so ist, weil er schlecht versorgt wurde, wissen wir nicht, haben es nur zufällig erfahren, dass er tot ist.



   

In den ersten Tagen versuchten wir noch, mit der für uns doch überraschenden Situation zu leben und auch damit klarzukommen, dass ständig jemand Chiwa auf die kleereiche Weide ließ, obwohl wir etwas ganz anderes abgesprochen hatten.








Der Ort Dinghorst war einsam und sehr idyllisch und das Wetter oft herrlich. Wir versuchten deshalb, unsere Zeit dort zu genießen ... aber die Zustände zwangen uns bereits nach wenigen Tagen, verzweifelt etwas anderes zu suchen.

So nahmen wir dabei auch bereits Kontakt zum nächsten Hof auf, der uns aber nicht glücklicher machen würde und auch eine falsche Entscheidung war.




Zunächst einmal hatten wir in Dinghorst das Problem, zweimal ein durch Tritte verletztes Pferd zu haben, den ja bezahlten Reitplatz nur selten nutzen zu können, weil er aufgrund eines verliebten in der Nähe stehenden Hengstes, der direkt neben dem Weg dorthin tobte, selten erreichbar war und laufend nicht arbeiten zu können, weil wir händeringend was anderes suchten.





Chiwa vertrug den Klee erstaunlich gut und hat dort übrigens keine Hufrehe bekommen, sie wurde nur durch den Hengst zweimal relativ leicht verletzt und beide dabei aber nicht gedeckt .. Gott sei Dank.









Schön war in diesem Stall in erster Linie die Ruhe und Einsamkeit und so die Möglichkeit, mit Boomer, Jürgen und den Pferden wirklich gemütlich das Pferdeleben zu genießen.








 Aber schön in den ersten Tagen mussten wir wie hier mit Prima und Chiwa Bodenarbeit in Auslauf statt auf dem Reitplatz machen, weil wir vor dem Hengst gar nicht auf den Reitplatz gekommen waren, der fast über den Zaun gekommen wäre und uns mit Prima in eine sehr gefährliche Situation brachte.










Die Wildgänse dort und die Natur .. es hätte so schön sein können, wenn denn die Stallbetreiber auch nur halbwegs normal gewesen wären, aber in Bezug auf die Stallbetreiber würden wir uns gleich zweimal irren .. auch im Stall danach.

Nett zu Anfang zu sein ist bei Pferden leider nicht alles, was wichtig ist. Stallbetreiber sollten auch Ahnung von Pferdehaltung und Verantwortungsbewusstsein für Tiere haben.



Ich fotografiere Pferde fast immer so, dass ich sie in Szene setze und ein Idyll zaubere, das täuschen kann .. ich bin nunmal Journalistin und auf Journalismus über Pferde besonders ausgerichtet.

Ich erzähle aber auch gern, was wirklich passiert, denn um das nicht zu tun, habe ich zu viel sechziger-Jahre-Blut in mir, wo wir gelernt haben, dass Pressefreiheit heißt, die Wahrheit zu sagen und das auch zu dürfen.





Als wir schließlich Ende Juni dort mit einer verletzten und lahmenden Chiwa flüchteten, um unsere Odyssee mit den Pferden im Ort Klein-Kühren fortzusetzen, hatten wir vorher nur telefonisch Kontakt mit drei menschlich durchaus netten Leuten aufgenommen, zwei Schwestern und dem Ehemann der einen, die Holsteiner und Haflinger züchteten und außerdem Pensionspferde hielten.




Chiwas verletztes Gelenk am linken Hinterbein beim Start zu den nächsten 13 km, die wir zu Fuß nun nach Klein-Kühren zurück gelegt haben .. ich hatte leider keine Speicherkarte im Fotoapparat und kann daher nicht viel davon zeigen.










Abends im neuen Stall in Klein-Kühren, wo wir uns nun geborgen wähnten .. aber der schöne Schein trog gewaltig.

Das Gras auf dieser ersten und weiteren Weidestücken im ersten Sommer allerdings vertrugen beide Pferde gut. Die Probleme lagen woanders und wo, das werde ich im nächsten Teil genauer berichten.





An diesem ersten Abend bei den Pferden in Klein-Kühren freuten wir uns zunächst. Die Stallbetreiber schienen und intelligent, tierlieb und kompetent zu sein .. und sie waren alle drei sehr nett, auch bis zuletzt.

Aber auch nette Leute, die von Kindheit an mit Pferden aufwuchsen, hoch begabt und klug, gebildet und sogar auf ihre Art tierlieb sind, können lebensgefährliche Fehler bei der Pferdehaltung machen.

Wirklich schwer krank wurde unsere Chiwa nämlich erst dort und auch dort erlebten wir den Tod eines anderen Pferdes mit, erfuhren von ungewöhnlich vielen anderen Todesfällen in den Jahren zuvor und auch, wie eine Tierärztin durch schöne Worte Fahrlässigkeit schön reden kann.

Beim Umzug von dort fort hätte Chiwa nichtmal mehr lahmend bis in einen neuen Stall laufen können, so schlecht ging es ihr .. aber Gott half uns, dort wieder weg zu kommen.

LG
Renate


Aber mehr dazu im nächsten Teil.

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