Samstag, 16. März 2013

Vertrauen haben und wieder verlieren gehört zum Leben


Als ich geboren wurde, habe ich ganz sicher meinen Eltern und Großeltern vertraut. Ich kam in der Wärme einer Familie auf die Welt, wo meine Eltern bei meinen Großeltern mütterlicherseits lebten und alle gehörten zusammen. Oma und Opa, Mama und Papa waren für mich da. Als einziges Kind meiner Mama und einzige Enkelin meiner Großeltern war ich der Augapfel von allen.

Als ich zwei war, wurde dieses Urvertrauen erstmalig erschüttert, denn meine Eltern haben sich getrennt und ich sollte meinen Vater so sehr aus den Augen verlieren, dass ich heute nur einige alte Fotos von ihm kenne und nie meine beiden Halbgeschwister kennen lernte, die später auf die Welt gekommen sind.

Dennoch hatte ich lange viel Vertrauen. Ich lebte sehr behütet mit meiner Mutter bei meinen Großeltern und verlor im Leben auch alle drei nicht durch Streit oder Mißtrauen, sondern durch deren Tod. Durch meine Mutter und Großeltern mütterlicherseits habe ich also nur Liebe erfahren und auch zurück gegeben.

Bevor ich mich das erste Mal richtig verliebte, gab es gute Freundschaften in meinem Leben und einige kleine Flirts. Meine beste Freundin aus der Kindheit blieb mit erhalten, bis ich 40 Jahre alt war. Auch die meisten meiner Jugendfreudinnen und Jugendfreude blieben mir lange erhalten, bis mein Einfamilienhaus versteigert wurde und unsere finanzielle Lage sich verschlechterte.

Die Familie meines Ex-Mannes war immer eher zerrissen. Es gab jahrelange Trennungen mit gelegentlichem Wieder-Vertragen und viel Streit untereinander. Ich fand das schrecklich und hätte mir nie vorstellen können, dass es in meiner kleinen Familie genauso kommen könnte. Ich habe meine Kinder nicht danach erzogen, sich nicht sehr zu lieben und auch nicht, sich später von ihrer Familie abzuwenden.

Ich habe lange gedacht, die Familie bleibt immer, auch wenn ich im Laufe meines Lebens lernte, Freunde kommen und Freunde gehen. Nachbarn kommen und gehen auch wieder. Wo man arbeitet, wird man oft gebraucht und anerkannt und hat gute Beziehungen zu Kollegen, aber irgendwann ist es vorbei und Menschen neigen dazu, dann Gründe zu suchen, was man falsch gemacht haben könnte und sich anschließend abzuwenden, auch wenn man lange Jahre immer die Tolle und kaum zu ersetzen gewesen ist.

Mein Ex-Mann ging jahrzehntelang fremd, aber ich dachte, er liebt mich und ich liebte ihn trotzdem, auch wenn er mir oft weh getan hat. Ich habe fest darauf vertraut, wir beide werden einmal gemeinsam alt. Wir wurden es nicht.

Ich hätte nie gedacht, dass meine eigenen Kinder sowohl meine Mutter, die immer für da gewesen ist und auch mich selbst, die ich genauso immer für sie da war, einmal vollständig verraten würden oder aber falls nicht, zumindest kaum noch an mich denken würden und ich schon froh wäre, wenn ich in Monaten einmal Besuch bekommen würde. Ich hatte zu meinen Kindern volles Vertrauen, heute ist das nicht mehr so. Ich bin sicher, ich könnte einmal einsam sterben, falls mein jetziger Mann vor mir stirbt und ich alleine zurück bleiben werde.

Als ich unsere Pferde Nixe, Chiwa und Reno und später die Prima dazu kaufte, sollte es eine Herde bleiben, die bei uns hinter dem Haus lebte. Ich hatte so viel Vertrauen darin, dass meine Familie und ich auf dem Resthof, wo ich diese Tiere angeschafft habe, ein Leben lang glücklich sein würden und ich diese Pferde bis ins hohe Alter begleiten würde. Ich konnte aber nicht verhindern, dass eine meiner Töchter Nixe und Reno verkauft hat.

Später habe ich immer wieder versucht, den Menschen zu vertrauen, bei denen ich die uns verbliebenen Pferde Chiwa und Prima untergebracht habe. Ich wurde jedes Mal erneut enttäuscht und musste feststellen, ich kann mich außer momentan auf meinen Mann Jürgen auf niemand wirklich verlassen.

Trotzdem steckt in mir noch immer der große Wunsch, allen Menschen, die ich kennen lerne, zunächst einmal bedingungelos zu vertrauen .. eben so lange, bis ich wieder einmal enttäuscht werde und mich frage:

Ist die Enttäuschung eigentlich das einzige, worauf ich vertrauen kann?

Vielleicht gibt es noch etwas, worauf ich vertrauen kann .. ich bin in der Lage, immer wieder Liebe zu empfinden und zu hoffen, dass sie auch erwidert wird und momentan bekomme ich diese Gegenliebe von meinem zweiten Ehemann.

Ich vertraue darauf,dass es für immer so sein wird und ich vertraue darauf, dass sowohl er als auch ich irgendwann wieder eine innige Beziehung zu allen unseren Kindern haben können. Ich vertraue auch darauf, immer das Bestmögliche für unsere geliebten Haustiere tun zu können.

LG Renate

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