Samstag, 13. Dezember 2014

Eigene Pferde - Unsere stolzen Freunde - Teil 27

Der Stall in Reuterkoppel rettet Chiwa das Leben - und alles andere im ersten halben Jahr dort

Ich möchte diesen Teil meiner Geschichte über das Leben aller unserer Pferde damit beginnen zu sagen, dass die Entscheidung, in den neuen Stall nach Reuterkoppel zu gehen, eine sehr gute war, denn im Laufe des kommenden Jahres wurde Chiwa zwar langsam, aber stetig wieder ganz gesund.

Die Menschen dort sind vermutlich seit Generationen Landwirte und haben ihre Erfahrung im Umgang mit Großvieh immer weiter gegeben. Sie erinnern mich oft an meine Großeltern, von denen ich gelernt habe, dass man auch mit Nutzvieh verantwortungsvoll und gut umgehen sollte und kann. Oma und Opa hatte ja einen ganz ähnlichen Beruf und haben mir auch später als Rentner in unserer landwirtschaftlichen Nebenerwerbssiedlung, wo wir auch Nutztiere gehalten haben, beigebracht, dass auch diese Tiere regelmäßig und gut versorgt sein wollen und ein gutes Leben verdient haben. Es gehört sicher auch genug Know How dazu, einen Bauernhof zu bewirtschaften, und auch das ist hier vorhanden. Dass ein Bauer weiß, wie man gesundes Heu, Stroh oder Heulage macht, ist nämlich sehr wichtig, und unser junger Bauer weiß das sicher genauso genau wie sein Vater, mit dem er noch immer zusammenarbeitet.
In den ersten Tagen hat Chiwa außer ihren Heparinspritzen auch noch ein Schmerzmittel bekommen (Metacam), damit sie ein bisschen auf die Beine kommt, denn bei ihrem Umzug konnte sie ja kaum noch stehen. Das klappte auch.

Alles andere dauerte sehr lange. Der Schmied kam oft und zwischendurch auch während seines Urlaubs mal eine Aushilfe, weil es Chiwa da sehr schlecht ging. Unser neuer Tierarzt war sehr human und machte mit mir fast alles telefonisch, was mich keinen weiteren Cent kostete.


Chiwa musste sehr lange überwiegend in der Box bleiben, wohl oder übel, auch wenn ich das nicht gut fand, weil Pferde viel Bewegung brauchen. Prima konnte tagsüber raus, aber sie blieb oft aus Solidarität ganz in der Nähe von Chiwa und leistete ihr Gesellschaft.

Die dritte Box war noch längere Zeit leer, so dass die beiden auf unserem Abschnitt beim Dreierstall alleine waren.

Am 8. Dezember machte Chiwa ihren ersten vorsichtigen kleinen Ausflug mit Prima im verschneiten Auslauf .. siehe links. Nur ein Weilchen, aber es begann ihr allmählich besser zu gehen. Herr Dr. Halbrock, unser neuer Tierarzt, hat mir immer Mut gemacht und gesagt, besonders im Winter und bei einem alten Pony, das nicht zum ersten Mal Hufrehe hat, sollten wir Geduld haben. Sie wird das schaffen, er sei sicher, und hier hätte sie es gut, da sei er sich auch sicher, weil er die Leute kennen würde. Aber er sagte auch, wir sollten uns darauf einstellen, dass Chiwa viele Monate brauchen würde, um wieder auch nur halbwegs gesund zu werden, denn sie sei dem Tod nur mit Mühe und Not rechtzeitig von der Schippe gesprungen.
Solange wir beim Dreierstall alleine waren, sind wir immer sehr vorsichtig mit der Reheweide, die uns zur Verfügung stand, umgegangen. Es regnete viel im Winter 2013/2014 und dann war die Weide zu weich für die Pferde. Nur bei Frost oder Schnee haben wir sehr selten die beiden wie hier mal dort kurz grasen lassen. Das war gut für die Seele, auch die von Chiwa.

Ich selbst entschloss mich damals, auf den angeblichen Krebsbefund nichts zu geben, da die Zellproben dagegen sprachen. Ich ließ mich nicht an der Schilddrüse operieren und sollte recht damit haben, denn mein angeblicher kalter Knoten ist heute wieder weg. Es kann kein kalter Knoten gewesen sein, die Ärzte müssen sich geirrt haben, die das dachten. Der Knoten verschwand ganz, als ich im Sommer 14 aufgrund einer Grippe und Mittelohrentzündung ein Antibiotikum bekommen habe. Vielleicht war die Schilddrüse nur entzündet. Mein Muskelriss wurde besser, aber ganz weg ist das bis heute nicht. Ich bin immer noch vorsichtig mit demLaufen. Chiwa geht es heute so gut, dass ich sie lieber von Jürgen oder Ela führen lasse, denn ich glaube, mein Bein würde es nicht verkraften, wenn meine Hopsmaus spinnt und ich mich dabei vertrete.

Wir feierten Weihnachten und Silvester mit zwei Freundinnen, aber eine davon kennt nur noch Kritik an uns, seit wir ab Oktober 14 kein Auto mehr haben und ich glaube deshalb, sie war nie eine echte Freundin, sie konnte unsere Hilfe nur gut gebrauchen. Die andere blieb, auch ohne unser Auto. Wir werden, weil sie zu Weihnachten arbeiten muss, wieder Silvester mit ihr feiern. Mein Sohn kommt im Neuen Jahr, der muss zu Weihnachten auch arbeiten.

Anfang des Jahres machte ich eine Facebook-Seite über alle Pferde auf, die zu meinen Leben gehört haben, auch als Erinnerungsseite für Nixe und Reno.


Ich habe im neuem Stall auch per Zufall mehr über Nixe erfahren. Und bei Facebook fand ich ein Foto von Reno und auch da die Bestätigung, wer ihn gekauft hat.

Beide Mädchen sind die, von denen ich das auch immer angenommen habe, auch wenn meine Tochter mir nie gesagt hat, dass es stimmt. Beide sicher welche, die Nixe und Reno lieben ... aber zwischen einer Reitschülerin, die in ihr Schulpferd vernarrt ist und einer guten Freundin ihrer Reitlehrerin besteht leider ein Unterschied. Es tut mir sehr leid für meine Tochter .. für mich selbst sowieso, auch wenn ich sicher bin, diese beiden jungen Frauen werden gut mit Nixe und Reno umgehen. Aber uns tut es weh, mir, und auch wenn sie darüber nicht mit mir redet, ganz sicher auch meiner Tochter, dass ich verdammt nochmal wieder recht damit hatte, dass beide nicht als Einsteller in Esthers Stall geblieben sind und damit Nixe und Reno nun irgendwo leben und wir nicht mehr wissen, wie es ihnen geht, denn beide schotten sich hermetisch ab, damit man auch ja nichts über die beiden Pferde erfährt, von denen man doch nur wissen möchte, ob es ihnen noch gut geht oder ob sie .. ja beide auch schon älter .. überhaupt noch am Leben sind. Tja ...Tränen sind bei mir hier Resignation und der Hoffnung gewichen, die beiden werden bis an ihr Lebensende von diesem Mädchen selbst gut versorgt werden und nicht womöglich noch weiter verkauft.
 Silvester, als Ela bei uns war, machten wir mit Chiwa und Prima den ersten vorsichtigen Schrittausflug zum Reitplatz und zurück.

Es folgten weitere dieser Touren und während Chiwa im Round Pen graste, hat Jürgen dann mit Prima ordentlich gearbeitet, damit sie sich mal ausrennen konnte.







Mit der Zeit habe auch ich ganz vorsichtig mit Chiwa begonnen, Bodenarbeit zu machen, klar noch nicht im Galopp.

Unser Schmied riet uns zur Vorsicht und sagte immer, es reicht, dass Chiwa sich in der Herde von alleine draußen bewegt, sie übertreibt dann nicht.

Na ja .. so wurde es allmählich Frühling und Chiwa erholte sich langsam, aber doch stetig.

Wegen der Hufe von Chiwa und Prima kamen wir nach und nach zu dem Ergebnis, dass beide vermutlich durch das ständige Füttern von Heu auf dem siffigen Boden im Sommer in Klein-Kühren, wo sie ja monatelang nicht auf eine richtige Weide kamen, zusätzlich einen total vergammelten Strahl bekommen haben und Chiwa möglicherweise auch deshalb und nicht nur wegen der Hufrehe so lahmte und sich auch so langsam erholte .. auch Reste eines Hufgeshwürs zeigten sich schließlich bei Chiwa dann irgendwann nach Monaten an den Hufen. Dennoch ging es Chiwa von Hufbearbeitung zu Hufbearbeitung zunächst laufend besser.
 



Jürgen und ich fingen an, die Umgebung und die Schuster-Acht zu erkunden.

Auch Marius kam zwischendurch ab und zu zu Besuch und war auch mit im Stall.

Es würde aber später doch noch ein paar Rückschläge geben.




Chiwa wurde mit der Zeit beweglicher und es ging, sie auch wieder über Tag mit Prima gemeinsam im Auslauf alleine zu lassen.

Das tat ihr gut, es ging zunächst rasant aufwärts mit der Kleinen.

Der Großen tat das auch gut, denn sie brauchte einfach ein anderes Pferd zum Spielen.




Ende März kam Camilla zu uns, die auch mal Hufrehe gehabt hat. Sie sollte von vornherein nur über Sommer bleiben.

Es lief mit allen drei Pferden relativ gut, solange sie noch nur zu dritt waren, auch für Chiwa.

Ein wenig allerdings machte es Chiwa zu schaffen, dass Prima sich mit Camilla besser verstand als mit ihr und unsere Kleine so ihre beste Freundin einbüßte und in eine Außenseiterposition rutschte. Das mag daran gelegen haben, dass sie noch nicht zu 100 % wieder ganz gesund war, denn sie hatte noch mit dem für Rehe ja typischen oft Monate anhaltenden Wendeschmerz zu tun, der Pferde nach einer Hufrehe oft noch lange nicht richtig wendig sein lässt, so dass es ihnen schwer fällt auszuweichen. Da Camilla relativ ruhig ist, ging das aber, weil die gemütliche Hafi-Stute es nicht an sich hatte, Chiwa zu weit zu verfolgen.
Hier ist Ela da, aber wir ware nicht auf dem Reitplatz, obwohl Camilla da mit ihrer Reitbeteiligung unterwegs war.

Unsere Pferde, vor allen Dingen Prima, sind leider ziemliche Kleber .. und Prima regte sich den ganz Sommer über tierisch auf, wenn ihre neue Herde nicht komplett war. Das wurde noch schlimmer, als die dritte Box dann auch vermietet werden konnte. In den neuen Wallach verliebte sich Prima geradezu .. und Chiwa wiederum begann, extrem darunter zu leiden und das tat ihr nicht gut. Sie begann, sich grundsätzlich von der Herde abzusondern, als sie dann zu viert waren.
Zuerst lief alles recht gut, wie man auch hier sieht. Aber das würde so nicht bleiben, obwohl sowohl Camilla als auch Aron sehr friedliche Pferde sind.

Es ging Chiwa nach und nach schlechter,obwohl wir uns noch extrem freuten, als mit allen vier ein neues Weidestück bekamen, das wir immer die Apfelweide nennen. Denn da sprang Chiwa wie ein Fohlen drauf rum und freute sich doch so dermaßen, dass alle staunten, wie viel Temperament sie doch hat.

Warum .. ich habe lange gebraucht, das rauszufinden.
Es wurde mir bewusst, warum Chiwas Zustand sich verschlechterte, als Canillas frauchen sich ein zweites Pferd kaufte, den Djark, der nun mit ihr auf eine andere kleine rehefreundliche Weide kam.

Ein paar Tage später kaufte auch Arons Familie ein zweites Pferd, den ich Euch im nächsten Teil erst vorstellen werde .. den sehr schwerer Dante mit Kaltblut-Einschlag. Der verliebte sich sofort in Chiwa und verstand sich gar nicht mit Prima. Trotzdem war es Chiwa,die dann so krank wurde, dass sie erstmal Boxenruhe brauchte.


Aber auch Ende April und Anfang Mai war noch alles bestens. Da machte ich z. B. die folgenden Bilder, wo Chiwa geradezu vor Temperament sprühte.










Ja .. tolle Bilder und damals auch viel Grund zur Hoffnung ... aber so ist das Leben, dass es auch manchmal wieder einen Schritt rückwärts geht.

Es war nur ein kleiner Schritt und schnell zu beheben, was ich Euch aber in erster Linie im nächsten Teil der zweiten Halbjahrs im neuen Stall genauer erzählen möchte, denn heute geht es Chiwa wieder genauso gut wie auf diesen Bildern.





Das was hier rechts und oben zu sehen ist, ist das, was wir mal besprochen hatten, als wir den Platz für Chiwa und Prima genommen haben. Eine kleine Weide in einer Senke, nicht dazu geeignet, dass Pferde dort den ganzen Tag oder bei Nässe im Winter drauf laufen könnten, sondern optimal für kurze Weidephasen, die für Pferde gedacht sind, die zu Hufrehe neigen. Camilla und Chiwa haben das ja beide und Prima hätte auch auf die große Weide gedurft. Wir wollten sie nur nicht von Chiwa trennen, wegen der Psyche der Kleinen.



Jürgen und ich sind sicher, dass wir damals auch selbst Arons Familie erzählt haben, dass jedes Pferd bei uns im Stall selbstverständlich auch im Sommer und auch im Winter auf die große Weide darf und dieses hier aber die Reheweide sei, wo die Pferde nur stundenweise rauf sollen.

Als wir gestern erfuhren, es hätte ihnen nie jemand vorgeschlagen, dass die Pferde auch rüber dürften, auch wenn sie die Box neben uns über Nacht haben, dachte wir uns, da muss jemand aber wirklich überhaupt nicht zugehört haben .. und es steht doch sogar schriftlich in den Anzeigen unseres Stalls, dass das grundsätzlich so ist.
Mit diesen stimmungsvollen Bildern aus dem Wonnemonat Mai, der in Holstein einen geradezu einmalig schönen Sommer und Herbst einläuten sollte, möchte ich heute aufhören.

Die Vierergruppe mit den beiden Rehepferden war noch zusammen, Chiwa ging es wie Ihr seht da noch ausgesprochen gut .. die Weidezeiten waren wie abgesprochen und für Chiwa und Camilla gedacht kurz und gesund ... und stimmungsmäßig war deshalb für Jürgen und mich auch kein Frust vorhanden.


Das hat sich danach aber eine Weile radikal geändert, auch weil Chiwa davon, was dann geschah, wieder krank wurde ... ließ sich allerdings lösen und war dann auch bis jetzt wieder in Ordnung .. aber nun gehen die beiden Neuen ja plötzlich und es ist mir klar geworden, zum Teil auch, weil sie in meinen Augen offensichtlich nicht verstanden haben, was hier in diesem Stall eigentlich alles für ihre Pferde möglich gewesen wäre. Wenn das anders gelaufen wäre, ich glaube, wir hätten uns nie gestritten, denn Jürgen und ich haben damals nicht verstanden, warum sie diese Möglichkeiten nicht in Anspruch genommen haben.

Aber dazu und noch einem anderen Aspekt, der mir dann einfiel, weil ich früher jahrelang Reno, Nixe und Chiwa aus meinem Wohnzimmerfenster auf ihrer Weide beobachten konnte und deshalb genau weiß, dass Pferde auch ihre kleinen Geheimnisse in Sachen Liebe haben, komme ich im nächsten Teil, denn das zusammen brachte für uns vorübergehend ein paar Probleme mit sich, die nur mit unserer unmittelbaren und nicht der gesamten Stallgemeinschaft zusammenhingen.

LG Renate

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