Dienstag, 19. Juni 2012

Eigene Pferde - Unsere Stolzen Freunde - Teil 11


Ein paar Monate in Klein Barkau, eine schlimme Hufrehe-Phase gefolgt von einem fast tödlichen Unfall und fluchtartiger Wechsel nach Kiel-Wellsee

 Chiwa erholte sich anfangs recht gut von der in Boksee, Im See, begonnenen Hufrehe, die ich heute nach der Erfahrung, die ich inzwischen in Bezug auf diese Krankheit habe, auf folgende Faktoren zurück führe: Der hohe Anteil an Sumpfschachtelhalm, vor allem in den unteren Weidebereichen, die erst später für die Pferde aufgemacht wurden, hemmte sicher bei allen Pferden die Versorgung mit Vitamin B1, was sich aber bei der kleinen Chiwa, die am empfindlichsten war, am schlimmsten auswirkte. Hinzu kam eine Nacht im Wald, weil die Kühe unsere Zäune eingerissen hatten, und da lagen kiloweise herunter gefallene Eicheln, die Chiwa auch noch gefressen haben wird. Zusätzlich holte sie sich in dieser Nacht eine kleine Verletzung an der Fesselbeuge, was das Immunsystem aktivierte, auch nicht gut für Hufrehe. Die Idee, den Pferden aufgrund des hohen Grasanteils kein Kraftfutter, sondern nur ab und zu ein Stück Weißbrot zu geben, war fatal, denn Kraftfutter enthält B-Vitamine, langes Gras aufgrund des hohen Ährenanteils auch noch, aber runter gefressenes Gras, wie das im September meistens der Fall ist, normalerweise nicht mehr. Einen Mineralstofflecker statt eines Salzleckers zu geben, war auch nicht gut, denn Salz ist wichtig, um die Glucose ins Zellinnere zu transportieren, da sie dem Natrium nachfolgt und künstliche Mineralstoffe sind meistens eher kontraproduktiv als gesund und ich halte gar nichts davon. Es fehlten auch Öle, die in Kraftfutter aufgrund der Keime noch enthalten sind, aber nicht in kurzem Gras, um das Immunsystem im Zaum zu halten. Alles zusammen wird es ausgelöst haben, die Heparinspritzen halfen und die Hufbearbeitung nach Straßer bewirkte anschließend keine direkte Hufrehe, sondern großfläche Entzündungen im Sohlenbereich, was man bestenfalls als fatale Belastungsrehe durch Bearbeitungsfehler bezeichnen könnte, eher aber als durch falsche Hufbearbeitung hervor gerufene wirklich Massen von gleichzeitig auftretenden Hufgeschwüren, die mein Pony fast das Leben gekostet hätten.
Ich muss es mir selbst zuschreiben, dass ich es soweit kommen ließ, denn mein Tierarzt und auch seine Zweitkraft haben mich gewarnt, dass die Hufbearbeitung nach Straßer meinem Pony schaden würde, nur konnte unsere Hufheilpraktikerin so gut argumentieren, dass ich ihr glaubte und nicht meinem Tierarzt.
Anfänglich ging es ihr schon wieder besser und wir gingen sogar mit ihr spazieren, sie trabte wieder, und dann kam der Rückschlag. Der Eiter lief aus den Kronrändern, die ich nach einem Rat einer hinzu gezogenen Tierheilpraktikerin mit Essigwasserwaschungen und Heilerde behandelte. Entgegen dem Rat meiner Straßer-Hufheilpraktikerin besorgte ich Chiwa eine Box, denn sie konnte sich vor der Herde nicht mehr schützen und nicht weg laufen, sie lag wochenlang fast nur und irgendwann kam eine dicke Schicht verfaultes Horn vollflächig unter allen vier Hufen zum Vorschein. Trotz allem erholte sich Chiwa und ich denke, der Hauptgrund war, dass unsere Hufheilpraktikerin vorübergehend nach Finnland ging, um dort Kurse zu geben und so die Hufe nicht mehr von unten bis auf's Blut ausschnitt. Esther machte die Hufe unserer Pferde wie vorher alleine weiter und feilte nur und schnitt den Strahl, und das war gut so. Chiwa ist ein Pferd mit Kampfgeist und unendlich viel Lebenswillen, sie schaffte das und wir ritten zwar natürlich nicht, aber machten wieder mit ihr Bodenarbeit und Spaziergänge.




Im Winter fühlten wir und dort relativ wohl, feierten eine schöne Einweihungsparty mit den anderen Einstellern und unserem vom Wesen her sehr netten Stallbetreibern, Vanessa kam oft zu Besuch, Esther hatte Mutterschutzurlaub und war mit uns und Raphael täglich dort, meine Enkel konnten dort schön reiten und die Möglichkeit zu Bodenarbeit war auch da. Meine Mama freute sich an den Stallkatzen und ihren Enkeln und Urenkeln und mein Ex-Mann war auch häufig im Stall und hatte damals noch viel Freude an unseren Pferden und seiner Familie.




Aber das Unglück ruhte nicht in dieser Zeit und im März hatte Chiwa einen fast tödlichen Unfall, in gewisser Weise war auch das meine Schuld, denn ich habe es geahnt. Es liefen unser goldiges Hofschwein Öbi und Bulli, der schwarzweiße Galloway-Bulle mit seinen Weibchen mit auf der Weide rum und um einen Sendemast für Handyempfang rum gab es einen Maschendrahtzaun. Ich fand das gefährlich, hörte aber auf die Warnungen meiner Familie, mich nicht schon wieder mit einem Bauern anzulegen und das zu kritisieren, weil er uns sonst wieder vom Hof jagen könnte, wenn wir nicht klaglos bezahlen und die Klappe halten. Also habe ich die Klappe gehalten. Ich hätte es nicht tun sollen, denn ich bin sicher, dass Chiwa sich genau in diesem Maschendrahtzaun das linke Hinterbein zerriss, auch wenn mir später gesagt wurde, es sei im inneren Auslauf passiert und keiner wüßte wie. Seltsam war nur, dass genau an diesem Tag der Maschendraht gegen eine E-Zaun-Litze ausgetauscht wurde und diese körpersprachliche Geste sagte für mich alles. Es war auch logisch, denn im Auslauf hätte sie so einen schlimmen Unfall gar ncht haben können. Es fehlte das Fleisch bis runter auf den Knochen, viele Sehnen und Bänder waren gerissen und in der Fesselbeuge war eine Schlagader gerissen. Mein Tierarzt hat mir später gesagt, dass er nicht gelaubt hat, dass Chiwa es überleben würde. Er fragte mich auch, ob er sie einschläfern soll, aber ich fragte nur, ob sie es überleben kann und sie hat es überlebt.



Ich fand die Leute nett und habe die Rechnung selbst bezahlt, sie hätten sich das sowieso nicht leisten können. Gedankt hat mir das sicher keiner, wie eine spätere Erfahrung zeigte, die wir Jahre danach erlebt haben.
Chiwa erholte sich wieder, ich nenne sie nicht grundlos mein kleines Einhorn, denn Einhörner können ja nicht sterben. Aber eins war damit vorbei, mein Traum davon, mit meinen Töchtern einmal den Staffelritt in Nehmten mitzureiten, was ich auf Chiwa vor gehabt hatte. Ich hatte so schön abgenommen damals.



Eine Zeit von vielen Höhen und Tiefen ging schließlich so zu Ende, dass im späten Frühling die Fohlen geboren wurden und die Pensionspferde weder auf die Weide kamen noch Heu zu fressen kriegten, sondern nur noch Stroh. Sie hatten Hunger, überfraßen sich an Stroh und es kam bei anderen Einstellpferden bereits zu Koliken und auch Nixe war mehrfach knapp davor. Wir gingen panisch Kanten grasen und suchten verzweifelt anderes Weideland und fanden dann welches zum Pachten in Kiel Wellsee, wo wir fluchtartig hin sind. Im Stall haben wir das so nicht erzählt. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass sich Leute, die Pferde in Pension nehmen, grundsätzlich nicht kritisieren lassen und man dann erst recht Probleme kriegt und es meistens am besten ist, einfach still zu flüchten, wenn es gar nicht mehr geht. Und dort ging es damals definitiv gar nicht mehr so weiter.

Im Juni 2002 zogen wir nach Kiel-Wellsee um. Die Hufrehe hatte Chiwa zunächst lange Zeit überwunden und sogar diesen Unfall überlebt. Wie es dort weiter ging, erzähle ich im nächsten Teil.

LG
Renate



Link zum Teil 10 und von dort aus kann jeder, den es interessiert, rückwärts bis zu Teil 1 finden, um die ganze Geschichte unserer Pferde zu lesen.

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