Dienstag, 17. Dezember 2013

Eigene Pferde - Unsere stolzen Freunde - Teil 24

Die Probleme im Sommer 2012 waren zunächst harmlos
Es war relativ regnerisch im Juli 2012, dem ersten Monat im neuen Stall in Klein-Kühren. Trotzdem begannen wir uns nach einer Weile zu fragen, warum dort unsere beiden Pferde ausgerechnet auf ein Weidestück gestellt worden waren, das wohl das sumpfigste von allen war. Nirgends gar es einen wirklich trockenen Platz für die beiden. Sie standen oder lagen bereits da Tag und Nacht regelrecht im Sumpf. Wir beide waren nach dem abenteuerlichen Umzug nur psychisch nicht in der Lage, schon wieder Krach anzufangen.



Im Stall gab es einen Impfzwang, der die Kostenersparnis, die ich ausgehandelt hatte, bei weitem auffraß. Es hieß, es sei Pflicht vom Holsteiner Zuchtverband aus, Pferde grundsätzlich gegen Herpes, Influenza und Tetanus zu impfen. Ich fand aber schnell, dass das so nicht richtig ist. Influenza ist nur bei Turnieren Vorschrift und Herpes wird nur für Zuchtstuten empfohlen und ist ansonsten eine von vielen Seite inzwischen als sinnlos und sogar gefährlich einzustufende Impfung.



Den Grund für die Herpes-Impfungen erfuhr ich erst einige Monate später, als ich fragte, ob das wirklich sein muss.

Erst da wurde mir erzählt, dass unter anderem vier der eigenen Pferde innerhalb der letzten 10 Jahre auf dem Hof an einer Herpes-Infektion verstorben seien und sie deshalb Angst vor dieser Krankheit hätten. Ich fand, dass die meisten Pferde an Herpes nicht sterben und fragte mich schon da, warum sind alle gestorben?



Zunächst erfuhr ich von unserem langjährigen und inzwischen Ex-Tierarzt aus Schwentinental, dass vor uns zwei Friesen dort gewesen seien und als ich nachfrage, ob wir für die beiden gekommen seien, erfuhren wir, dass die Besitzer im Streit gegangen waren, obwohl sie genauso wie wir beide es später tun würden, immer sehr viel im Stall geholfen hatten.






Als unsere Chiwa bereits an wiederkehrend chronischer Hufrehe litt, erfuhr ich erst im Jahr darauf, dass auch die Friesen mit Hufrehe zu tun gehabt hatten und extra Heu bekommen hatten und außerdem, dass ein weiteres Pferd, das Pony des kleinen Sohnes, an Hufrehe auf dem Hof gestorben war, und das trotz Tierklinik und hoher Kosten. Ich kann mir denken wieso, aber das werde ich im Laufe meines Berichts näher erklären.





Weil Prima mehrfach über den Außenzaun gesprungen und ins Dorf gelaufen war, wurden unsere beiden dann bald von dem ganz sumpfigen Stück auf zwei aufeinander folgende bessere Weidestücke gestellt.

Heute kann ich mir denken, warum sie weg lief. Damals war ich darüber ziemlich verwundert. Sie wird Hunger gehabt haben, weil niemand dort wirklich die Länge des Weidegrases kontrolliert so wie überhaupt niemand viele Kotrollgänge machte.



Die Nachwirkung der Ängste, die unsere beiden Pferde wegen des Hengstes in Dinghorst anfänglich bei jedem anderen weißen Wallach zeigten, vergingen und wir genossen den Sommer und machten viel mit den Pferden. Andere Einsteller gingen oder kamen dazu und wir merkten schnell, dass die Familie in sich sehr uneinig war, obwohl alle drei gern viel erzählten.

Zu Recht kritisierte der Bauer in unseren Augen, dass die zwei Frauen Pferde sammeln, aber sich kaum um die Tiere kümmern würden.

Weil der Sommer 12 wirklich sehr regnerisch war, sollte es uns später logisch erscheinen, dass die Heulage schimmelte. Dass das andere Gründe hatte, erfuhren wir erst im Jahr darauf genauer.



Zunächst einmal waren wir froh, wie gut Chiwa den Weidegang von 24 Stunden dort vertrug und auch darüber, dass Jürgen so tolle Fortschritte auf ihr machte. Der Reitplatz war meistens frei, also nutzen wir ihn ausgiebig und unser Hund fühlte sich auf dem Hof ebenfalls sehr wohl.

Eins muss ich der Familie ebenfalls lassen. Wenn das Geld vom Jobcenter mal später kam, gab es dort keine Probleme wegen ein paar Tagen Wartezeit, was uns zweimal passiert ist.



Chiwa lernte super, sich satteln zu lassen. Schon bald war von ihrem Sattelzwang nichts mehr zu merken und Jürgen schaffte im Spätsommer dann sogar, Chiwa im Galopp zu reiten.

Wir waren ahnungslos, was auf uns zukommen würde und deshalb zunächst noch recht glücklich.





Das war Jürgens erster Galopp auf Chiwa .. er war so froh damals. Nun wird es wieder lange dauern, bis die Maus überhaupt wieder reitbar sein wird.



Dass eins der selbst gezogenen Hafi-Fohlen an Gleichbeinlahmheit gestorben war und auch seine Mutter darunter litt, wussten wir damals schon.

Als später das erste der hofeigenen Pferde in unserem Beisein nach mehreren Koliken vorher, wo sie auch nicht die einzige gewesen war, sterben würde und wir dann zufällig erfuhren, dass auch im Sommer davor zwei Pferde an Kolik gestorben seien, fing ich an, mich zu fragen, wie viele Pferde dort eigentlich in den letzten 10 Jahren aus den unterschiedlichsten diagnostizierten Gründen umgekommen waren und warum so viele, auch wenn es in jedem Fall eine plausible Erklärung dafür gab.

Ich frage mich dass, weil mir bekannt war, dass die Familie seit 10 Jahren diesen Hof gekauft hatte und dass die beiden Frauen ja erst im Alter meiner beiden älteren Kinder waren .. und dann so viele Todesfälle in der eigenen Herde, von denen ich nicht sicher bin, ob es wirklich alle waren, von denen ich so nach und nach erfuhr.



Irgendwann entdeckte ich, dass es lange Zaunreihen gab, wo in Fesselhöhe laufender Stacheldraht an den Hausstrom angeschlossen war und beschwerte mich. Ich sagte, sowas sei lebensgefährlich, ein Pferd, das dort mit den Beinen rein käme, würde unweigerlich sterben.








Ich entdeckte später auch Maschendraht und Wildschutzzaun, was nicht anständig abgesichert war und erklärte der Familie, wie schlimm Chiwa Maschendraht-Unfall in Klein-Barkau gewesen sein.

Es änderte sich nichts.

Verwunderung kam auf, als einer der eigenen Wallache in einer abgeschnittenen Tonne, die als Futterraufe genutzt worden war, schwer verunglückte und über 2.000 Euro Tierarztkosten für seine Behandlung entstanden. Ich durfte mir anhören, sowas würde sicherlich nicht nochmal passieren, das sei Pech gewesen.

Nein, über sowas sollte man nachdenken, und zwar vorher und nur weil auch in unserer Anwesenheit kein Pferd in den Wildschutzzaun, Maschendraht oder an E-Zaun angeschlossenen Stacheldraht kam, ist es nicht weniger fahrlässig, sowas mit voller Absicht zu machen.



Im Herbst kam wieder eine neue Stute dazu, die anders als zwei, deren Besitzerinnen selbst gingen, wie wir später gekündigt wurde ... angeblich hatte sie nicht bezahlt. Sie hatte uns davor erzählt, dass sie im Stall davor die Pacht gekürzt hatte, weil ihr Pferd nicht gut versorgt worden war .. sie half anfänglich viel und wird wie wir die schimmelige Heulage gesehen haben .. es ist aber reine Spekulation, ob sie deshalb absichtlich nicht bezahlt oder gekürzt hat. Ich schätze sie so ein.




Zum Herbst gewöhnten wir unsere beiden allmählich an ihre Boxen, indem wir ihnen drinnen Müsli gaben und weil wir bei Först in einer Reitershow so inspiriert worden waren, begannen wir, mit Chiwa und Prima eine rasante Shownummer nach einer Fluch-der-Karibik-Version-Jumpstyle einzuüben.







Dabei lernten die beiden, in Achtern, kleinen und großen Kreisen und anderen Figuren nach Anweisung um uns rumzulaufen. Es machte sehr viel Spaß.

Es war so ziemlich das letzte, was wir machten, bevor Chiwa und Prima auf ein Weidestück mit viel Schachtelhalm gestellt wurden und Chiwa das erstemal plötzlich lag und ich dann die Weide ablief, wo sie gewesen war und das sah.


Wir hatten gesehen, dass in dieser Familie alle viel arbeiteten und boten an, noch ein wenig mehr zu helfen, als nur unsere eigenen Boxen auszumisten. Obwohl Jürgen dann plötzlich eine sehr zeitaufwendige Jobcenter-Maßnahme machen musste, haben wir uns daran auch lange gehalten, und zwar bis Weihnachten 12, als uns jemand zwei Autoreifen zerstochen hatte und wir bis nach Neujahr nicht kommen konnten und dann ein lahmendes Pferd vorfanden, von dem uns das nocht nichtmal jemand gesagt und mal angerufen hatte. Den Schimmel in der Heulage hatten wir wegen der Hilfe natürlich immer wieder bemerkt und waren sehr ängstlich, als die eine Schwester sagte, ach den lassen die Pferde liegen und fressen es nicht.

Sieht ja toll aus, die große Heuweide, auf die Chiwa und Prima dann zum Abweiden gestellt wurden, als es Herbst wurde .. nur wuchs in der Senke Sumpf- oder Ackerschachtelhalm, und das in Riesenmengen. Warum sieht man sowas nicht und warum macht man an solchen Stellen auch noch Heu und Heulage? Außen herum wäre es ja gegangen, aber man geht Weideland ab, bevor man es nutzt oder sollte es tun.



Eine Woche nachdem ich diese schönen Fotos nichts ahnend gemacht hatte, lag Chiwa das erste Mal lang .. aber das steckte sie noch mit ein paar Tagen Heufütterung sogar ohne Heparin weg.

Richtig schlimm wurde es erst im Januar 13, worüber ich dann das nächste Mal weiter berichten werde.







Und ja .. wir haben ausgiebig über die Dinge geredet, die Chiwa nicht verträgt, über Schachtelhalm, Eicheln und auch Klee und dass man Schimmel nicht an Pferde verfüttert, hätte ich für normal gehalten.

Ich lernte erst später, dass auch Schimmelsporen zu den Vitamin-B1-Räubern gehören und deshalb so schädlich sind.




Bis bald mit Teil 25 ... einem schlimmen Winter, in dem auch wir beide uns einiges an chronischen Krankheiten zugezogen haben, ob vom Stress oder vielleicht sogar auch dem Umgang mit Schimmel, sei dahin gestellt.

LG Renate

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