Montag, 10. September 2012

An unsere Eltern im Regenbogenland

Ich mache mir oft Gedanken darüber, was mit einem Lebewesen nach dessen Tod passieren mag. Ich hoffe, dass sich alle, die sich im Leben gern hatten, dort irgendwie wiederfinden mögen und vielleicht schaut Ihr ja auch irgendwie von dort sozusagen auf uns herab.

Im Moment frage ich mich auch, ob Eltern gemeinsam auf solche Kinder, die gerade zusammen gehören, wie der Jürgen und ich, herab schauen und auch gemeinsam beobachten, wie es uns hier auf der Erde noch lebend so geht.

Die schöne Rose ist nicht vom Friedhof, sondern die habe ich vorgestern auf dem Bauernhof gefunden, wo wir immer mit unseren Pferden unsere Freizeit verbringen. Aber sie ist schön, nicht?

Hallo Mama und Lilo, Ihr beide kennt Euch ja ein wenig aus der Zeit, als Jürgen und ich häufiger bei Lilo in Bad Nenndorf waren und Dich, Mama auch mal mitgenommen haben. Außerdem habt Ihr zwei ja öfter mal telefoniert, als Ihr das noch beide gut gekonnt habt.

Hallo Hans, Dich kenne ich nur von den vielen Geschichten, die Jürgen von Dir erzählt und ich weiß ziemlich genau, dass Du Dir gewünscht hast, im Tod mit Deiner Lilo gemeinsam auf dem Friedhof zu liegen. Das ist nun leider nicht so und weder Jürgen noch ich können nachträglich etwas daran ändern.
Da, wo der Jürgen am Tag von Lilos Beerdigung so ratlos steht und überlegt, dass Dein Grab doch hier gewesen sein muss, Hans, hättet Ihr beide eigentlich Eure letzte Ruhe finden sollen. Aber das Grab wurde aufgelöst. Unser Land ist hart geworden. Es ehrt weder die Toten noch die Alten mehr, aber dass ich mich darüber aufrege, hilft Euch beiden jetzt leider auch nicht. Es ist eben so passiert.
Wenn wir das nächste Mal nach Bad Nenndorf kommen, wird auch dieses Grab, an dem wir Dir Lebewohl gesagt haben, Lilo, nicht mehr da sein. Nur einen Blumengruss werden wir irgendwo dort auf der großen Rasenfläche für Dich hinlegen können, der aber durch die Friedhofsgärtner mit etwas Pech schon wenige Stunden danach wieder weg geräumt werden könnte.
Was ist ein Grab? Was symbolosiert ein Grab? Oder was symbolisierts so eine kleine Geschichte, geschrieben an Euch Verstorbene?
Für mich ist ein Grab ein Ort, der hilft, einen geliebten Menschen nicht zu vergessen und so eine Geschichte wie diese hier ist für mich genau das gleiche, nämlich ein virtueller Ort, um Erinnerungen festzuhalten und ein neues Band zu Euch ins Jenseits zu knüpfen, damit Ihr nicht vergessen werdet und damit Ihr weiterhin zu unserem Leben dazu gehört und wir zu Eurem.
Ich hoffe, dass Euch das so recht ist.
Was ich noch mehr hoffe ist, dass es Euch auch recht ist, wenn wir in Zukunft, wenn wir zum Grab von meiner Mama Lieschen gehen, dabei auch an Lilo und Hans denken und weil die beiden kein richtiges Grab haben, dort in Zukunft auch Blumen für sie pflanzen oder im Winter das Gesteck für Euch alle drei gestalten, als gemeinsames Symbol für unsere Eltern, die nun nicht mehr bei uns sein können.
Noch ist Mamas Grab von uns für sie allein gestaltet worden und sieht im Moment noch so aus. Ich zeige es Euch jetzt mal.
Wusstest Du, dass der Jürgen jetzt einen ganz ähnlichen Beruf hat wie Du früher,Hans? Ich glaube, das würde Dich freuen und Lilo hätte es auch gefreut, dass Ihr Sohn  nicht mehr als Hilfsarbeiter arbeiten muss und Mama hat ja immer gewusst, dass es früher mein Traum war, als Journalistin zu arbeiten.
Nur die Bezahlung könnte besser sein, aber die ist heute in allen Branchen eben nicht mehr so toll und wir tragen mit unserem Blog sicher auch mit dazu bei, so viel zu meckern, dass es sich eventuell in diesem Land irgendwann wieder ändert und auch alte Leute wieder die Möglichkeit haben, auch aus dem Altersheim heraus das Grab ihres verstorbenen Partners zu erhalten, denn dass man sie heute nicht zu ihren Toten auf den Friedhof lässt und sogar deren Gräber auflöst, kann ja wohl kein Dauerzustand bleiben.
Für Euch drei aber muss es jetzt so gehen und ich hoffe, wir können uns auch weiterhin leisten, zumindest ein wenig Blumenschmuck für Euch immer frisch auf diesem Grab zu haben.
Und versprochen, wenn wir im November zum Totensonntag dieses Grab gestalten, wird das für Euch alle drei das Symbol auf der Erde sein, dass wir an Euch denken.
Und hier virtuell sei Euch versprochen, dass dieser Text an Euch nicht der letzte sein wird, ganz sicher nicht.

Ich denke an Euch und passe gut auf den Jürgen auf und er auf mich, was meine Mama mir vor ihrem Tod noch gesagt hat und dass sie das sehr beruhigt.

Eure Renate




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