Donnerstag, 28. Juni 2018

Spaß an der Herausforderung contra übertriebenem Ehrgeiz

Nicht nur Sport sollte Spaß machen, sondern jede Form von Zielsetzung


Auch wenn ich mich noch nie sonderlich für Fußball interessiert habe und auch wenn ich weiß, wie man sich darüber freuen kann, wenn jemand beim Sport irgendwo gewinnt, ich finde es ganz schlimm, was ich bei der jetzigen Fußballweltmeisterschaft miterlebt habe, die deutsche Mannschaft betreffend, obwohl ich nicht ein einziges dieser Spiele selbst angeschaut habe .. wir haben nämlich immer noch keinen Fernseher ... sondern nur ab und zu im Radio bei NDR 2 dem Fußball-Moderator zugehört oder eben auch im Internet viel darüber gelesen.

Ich war mein Leben lang in den meisten Sportarten schlecht, aber es gab welche, wo ich durchaus auch gut war. Insgesamt hatte ich in jeder Schule immer eine eher sehr bescheidene Sportnote in allen meinen Zeugnissen.

Ganz anders war das in vielen anderen Schulfächern aus dem simplen Grund. Ich habe einen IQ mit in die Wiege gelegt bekommen, der mir schon als Kind Hochbegabung bescheinigt hat.

Klassenbeste war ich dennoch soweit ich mich entsinne nie.

Ich war nie der Typ, der sich dazu geeignet hat, eine Führungsposition zu übernehmen, denn es hat mir nie gelegen, Menschen anzutreiben, zu befehligen, ihnen zu sagen, was sie zu tun und zu lassen haben.

Vielmehr bin ich von Natur aus extrem neugierig und kann, wenn mich etwas interessiert, mit unglaublicher Hartnäckigkeit solange suchen, bis ich gefunden habe, was ich wissen wollte.

Und ich bin dann auch in der Lage, entsprechend analytisch zu denken.

Das macht mich weder zu einen besseren Menschen noch ist das nun irgendwie toll. Das bin einfach ich wegen der Gene, die ich bei meiner Geburt mitbekommen habe und die mich zu dem gemacht haben, was ich heute bin.

Beim Sport ist in meinen Augen, weil Ernährung und der Stoffwechsel Themen sind, die mich schon lange besonders interessiert haben, die Freude an der Bewegung der wichtigste Punkt überhaupt.

Und um Spaß an der Bewegung zu haben, muss man nicht unbedingt gewinnen, weder in einer Ballsportart wie beim Fußball noch anderswo. Sich selbst so zu fordern, dass der Kreislauf in Schwung kommt, die Hormone anspringen, die dafür sorgen, dass man sich nach dem Sport entspannt und wohl fühlt, das zählt am Sport.

Klar fordern bestimmte Sportarten dazu heraus, sich auch mal gegenseitig in seinem Können zu messen, und das ist bei Ballspielen, wo es immer einen Gewinner und einen Verlierer gibt, eben auch so.

Ich erinnere mich genau, wie ich mitgefiebert habe, als meine jüngere Tochter beim Ringreiten ihren ersten Pokal und den entsprechenden Eichenkranz dazu gewonnen hat. Klar ist sowas toll und man ist auch stolz darauf.

Es wäre aber auch okay gewesen, wenn sie einfach nur mitgeritten wäre.

Für mich war es beim Reiten, was mir wirklich nie gelegen hat, obwohl es mir viel Spaß gemacht hat, schon das erhebende Gefühl, als ich dann soweit war, mit einem unserer Pferde im Schritt gemeinsam mit meinen Töchtern um unser Dorf rumzureiten und heil ohne runtergefallen zu sein wieder zu Hause anzukommen.

Oder später solange im Westernjog durchzuhalten, dass wir nach Musik bestimmte Schlangenlinien und Kreise und dergleichen in einer Choreografie gemeinsam so hinbekommen haben, dass ich dabeiblieb und nicht unterwegs die Tonnen und Pilonen mit meinem Pferd umgeschubst habe.

Ein großer Wunsch, den ich nie mehr erleben werde, wäre es für mich gewesen, gemeinsam mit meinem 2. Mann und meiner Tochter bei einer Shownummer nach Musik mitzureiten ... aber manche Wünsche bleiben eben nur schöne Wunschträume, die man nicht erlebt.

Ich hatte gerade beim Sport in der Grundschule oft deshalb keinen Spaß, weil ich da einen Sportlehrer hatte, der einen grundsätzlich auslachte, wenn man etwas nicht gut gemacht hat.

Sowas demotiviert .. nicht nur im Sport, sondern auch in jedem anderen Schulfach .. nur dass ich in anderen Schulfächern nie ausgelacht worden bin.

Später hatte ich Sportlehrer, die in der Lage waren, jedem Schüler im Sportunterricht Sport als Spaß näherzubringen.

Ich mochte Airobic und Jazzdance ... aber weiß, auch da gibt es sportliche Wettkämpfe unter den Besten. Auch das kann wie beim Fußball sicher in Stress ausarten, obwohl ich das als Spaß pur kennengelernt habe, wo sich einfach alle mit Begeisterung gemeinsam nach Musik bewegen.

Ich bin auch in einer Bauchtanzgruppe aufgetreten und kann mir vorstellen, auch das kann als Wettkampf ausarten und einem dann die Freude an diesem schönen Tanzsport nehmen.

Wie schlimm krankhafter Ehrgeiz sein kann, der heute auch immer schlimmer zu werden scheint, weil unsere Leistungsgesellschaft kein Wir, sondern nur noch ein "Ich gewinne" kennt, habe ich mal beim 400-m-Crowl kennengelernt, als ich im Alter von ca. 36 ein Semester lang Schwimmen als Sport gewählt hatte.

Schwimmen kann ich gut im Gegensatz zu vielen anderen Sportarten, war schon immer so. Ich bin ja auch am Wasser aufgewachsen, wo das wichtig war, um in unseren zum Teil bis zu 50 m tiefen Seen hier nicht zu ertrinken.

Eine meiner Mitschülerinnen, sie 19, eigentlich sportlich, ich ca. 36, eigentlich gar nicht sportlich, schwammen also gegeneinander die 400 m Freistil, wie sich das dann ja nennt, also genau genommen Crowl, weil man so ja am schnellsten ist. Ich habe damals gewonnen, knapp, aber ja. Ich war so k.o., dass meine Mitschüler mich die Treppe aus dem Schwimmbecken hochgezogen haben, weil ich alleine vermutlich nicht mehr hochgekommen wäre.

In der Dusche fiel mir dieses Mädel weinend um den Hals, warum ich überall besser wäre als sie. Sie war von ihrer Realschulklasse als Klassenbeste auf Fachgymnasium gekommen und nun nicht mehr Klassenbeste, ich im übrigen auch nicht, denn es gab da einen Helge, der heute Zahnarzt ist, der war definitiv noch besser als ich, nicht viel, aber schon.

Sie meinte, wenn sie nicht als Klassenbeste abgehen könnte, würde sie dann als Schlechteste von der Schule gehen. Sie kannte nur das eine oder andere Extrem. Ist dann später vollkommen abgestürzt, hat es in der Klasse meiner Tochter Vanessa nochmal versucht, wo es ähnlich ausging und später haben wir erfahren, sie geht in Dortmund auf den Strich.

Warum hat sich diese junge Frau sowas angetan? Weil sie nicht begriffen hat, worum es geht. Man kann gut sein, man darf sogar schlecht sein. Natürlich sollte man sich dabei, was man tut, auch Mühe geben, aber auch erkennen, wo das Ende der Fahnenstange der eigenen Leistungsfähigkeit erreicht ist.

Und man muss nicht grundsätzlich am besten sein. Man muss nur seinen eigenen Weg finden.

Und ums Gewinnen geht es schonmal gar nicht.

Und das finde ich, sollten sich auch mal die natürlich enttäuschten Fußballfans nach dieser Fußball-Weltmeisterschaft vor Augen halten.

Jeder dieser Spieler ist mit absoluter Sicherheit ein Hochklasse-Sportler, der viel trainiert hat.

Und unser Trainer ist ganz sicher auch ein Hochklasse-Trainer.

Aber nun schreien alle, bloß weg mit allen.

Schämt Euch!!!!

Sie waren dabei und sie haben nunmal dieses Mal leider sehr früh verloren.

Na und?

LG
Renate

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